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Bücherarchiv

MIt dem Herzen eines anderen leben

Autorin: Elisabeth Wellendorf
Rezension: Katrin Beerwerth

Elisabeth Wellendorf hat als Psychotherapeutin neun Jahre lang in einer Kinderklinik gearbeitet und schwerpunktmäßig Transplantations-patientInnen begleitet. Sie erzählt, wie sie sich selbst diesem Thema annähert, welches zunächst große Bedenken in ihr auslöste. Viel Raum gibt sie den TransplantationspatientInnen selbst. Sie erzählt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sie auf dem Weg der Transplantation begleitet hat. Ihre Beispiele geben einen umfassenden Einblick, wie unterschiedlich Menschen mit dem Angebot der Transplantation umgehen. So äußert ein junger Mann seine Ängste, ob er nach einer Ablehnung der Transplantation nicht links liegen gelassen werden würde. Eine andere Patientin fühlt sich der Transplantation verpflichtet, um ihre Mutter nicht zu enttäuschen.

Eine junge Frau kann es sich nicht vorstellen, mit den Organen eines toten Menschen zu leben. Natürlich erfahren wir auch von PatientInnen, die für sich ein klares Ja formulieren können und sich voller Hoffnung und Zielstrebigkeit auf die Trans-plantation vorbereiten.

Der Therapeutin ist es wichtig, den PatientInnen Zeit für diese wichtige Entscheidung einzuräumen und keinen Druck auszuüben, welches im Klinikalltag und bei der schlechten gesundheit-lichen Konstitution der PatientInnen nicht leicht ist. Ihren Beobachtungen nach hat die Motivation eine enorme Auswirkung auf den Heilungsprozess nach der Transplantation. Gerade die Zeit nach der Transplantation kann für PatientInnen eine große Herausforderung werden, wenn beispiels-weise Komplikationen auftreten. Und auch bei einer erfolgreichen Transplantation kann es sein, dass der Patient die Glückseligkeit seiner Umwelt nicht direkt teilen kann. Insbesondere die Zeit nach der Transplantation war für die Therapeutin häufig eine schwierige Zeit, wenn sie über die Ärzte von dem Seelenleid ihrer PatientInnen hörte und sie aufgrund der Sterilität nicht besuchen durfte und entsprechend nicht begleiten konnte. Hier erlebte sie einen Bruch in der Begleitung der ihr anvertrauten Menschen. Manch ein Patient fühlte sich auf der Intensivstation nur noch auf Zahlen und Werte reduziert. Eindringlich appelliert Elisabeth Wellendorf daran, nie den Mensch aus dem Blick zu verlieren und entsprechend achtsam im Kontakt mit ihm zu sein.

Weiterhin erhalten wir Einblicke, wie unterschiedlich die PatientInnen nach der Transplantation das Erlebte verarbeiten und ihr neues Leben gestalten. So erfahren wir, welche wichtige Rolle der Spender in der Gedanken- und Gefühlswelt des Transplantierten einnehmen kann. Wir erfahren auch, wie ein Familiensystem durcheinander gewirbelt wird, wenn nach der  erfolgreichen Transplantation auf einmal die Zeit für die aufwendige Pflege und Begleitung des erkrankten Kindes wegfällt und Freiraum für andere Familienmitglieder entstehen. Auch diese Veränderungen können eine psychotherapeu-tische Begleitung der Familie erforderlich machen. Abrundend geht Elisabeth Wellendorf auf die Hirntoddefinition und das Transplantationsgesetz ein.

Die Autorin schreibt sehr persönlich und lässt uns an ihrer Freude, ihren Hoffnungen, Ängsten, Bedenken und Zweifeln teilhaben. Dies ermöglicht eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema.  Manch einen Leser mögen die Berichte vielleicht erschrecken, denn die Autorin berichtet verstärkt von PatientInnen, die mit sich und der Transplantation auf die ein oder andere Wiese gerungen haben. Dies verdeutlicht, wie wichtig eine verlässliche Begleitung auch über die Transplantation hinaus sein kann, um dieses einschneidende Erlebnis verarbeiten zu können.


Lotta Wundertüte

Autor: Sandra Roth
Rezension:  Katrin Beerwerth

Kurz habe ich überlegt, ob es überhaupt noch Sinn macht, dieses Buch vorzustellen, da es in den Bestsellerlisten vertreten war. Ich selbst bin erst kürzlich durch eine Empfehlung auf das Buch gestoßen, und da ich es sehr empfehlenswert finde, nutze ich die Möglichkeit abseits von Bestsellerlisten auf „Lotta Wundertüte“ aufmerksam zu machen.

Sandra Roth erfährt im neunten Monat, dass das Gehirn ihres ungeborenen Kindes nicht ausreichend mit Blut versorgt wird. Welche Auswirkungen dies auf die ungeborene Lotta und damit auf das Leben der gesamten Familie haben wird, kann niemand sagen. Sandra Roth und ihrem Mann Harry wird die Möglichkeit angeboten, das Kind abzutreiben, aber Lotta gehört schon zur Familie, wird von allen geliebt. Zweifel, ob sie es schaffen mit einer „Lotta Wundertüte“ zu leben sind da, aber die Vorstellung ihr Kind zu töten, können sie nicht ertragen.

Von einem Tag auf den anderen ist die Familie im Krankenhausalltag gefangen. Und auch als Lotta auf die Welt kommt, bleibt sie eine Wundertüte. Neue, unbekannte Themen nehmen einen immer größeren Raum im Leben der Familie ein (spastische Cerebralparese, Embolisation, Diazepam, Inklusion, …). Die Familie ringt darum in diesem Ausnahmezustand Boden unter den Füßen zu gewinnen und erlebt ein Auf und Ab.

Sandra Roth lässt uns teilhaben, wie die Familie begreift, was es heißt ein schwerstmehrfach-behindertes Kind zu haben. Sie erzählt davon, wie schwierig die Begegnung mit anderen Menschen

ist, so dass sie sich teilweise isolieren um verletzenden Bemerkungen aus dem Weg zu gehen. Später gelingt es dem Ehepaar zu reflektieren, dass sie es manchmal anderen Menschen auch schwermachen, in den Kontakt zu treten, weil sie schon so sehr auf verletzende Begegnungen programmiert sind und sich entsprechend abwehrend verhalten.

Das Buch greift viele Themen auf, mit denen sich Familien mit einem schwer erkrankten Kind auseinandersetzten:

Wie viel Therapie ist gut und wann  überfordere ich mein Kind?

Welche medizinische Versorgung und Operation ist notwendig? Sandra Roth erzählt, wie die Anforderungen der Ärzte, sie sei die Spezialisten für ihr Kind und könne am besten bewerten, wie es ihrem Kind geht, zunächst überfordert.

Wie kann ich Hilfe annehmen? Es wird spürbar, wie schwierig es der Mutter fällt, anderen Menschen die Verantwortung für ihre Lotta zu geben, doch Sandra Roth lernt es loszulassen und baut sich ein Netz von Helfern auf.

Wo bekomme ich welche Hilfe? Welcher Kindergarten ist der richtige für unser Kind? Der Kampf mit den Kostenträgern. Wie bekommt jeder einzelne in der Familie genügend Aufmerksamkeit und Freiräume, natürlich auch der ältere Bruder Ben?

Wie geht die Familie mit den wiederkehrenden lebensbedrohlichen Anfällen und der Angst um ihre Lotta um?

Die Autorin fordert uns Lesern darüber hinaus auf, über ethische Fragestellungen nachzu-denken. So geht sie beispielsweise auf die pränatale Diagnostik ein oder beschreibt auch unser Streben nach Leistung und den Wettkampf der Familien um das erfolgreichste Kind. Sie erinnert sich zurück, wie wichtig es auch ihr war, dass ihr Sohn mithalten konnte bei dem Erlernen bestimmter Ding. Und nun wird die Familie getragen von dem Glück, wenn Lotta lacht oder Ben unbefangen mit seiner Schwester spielt und schmust. Was ist wichtig in unserem Leben? Welchen Werten möchten wir in unserer Gesellschaft welche Bedeutung geben? Die Autorin erzählt viele Erlebnisse so, wie sie geschehen sind. Einige erzählt sie in Anlehnung an ihren Erfahrungen, um die Persönlichkeitsrechte ihres Umfeldes zu schützen.

Das Buch ist getragen von der Liebe der Familie und es lässt keinen Zweifel, wie lebenswert ein Leben mit einem Kind mit einer schweren Behinderung ist.


Anders leben, anders sterben – Gespräche mit Menschen mit geistiger Behinderung über Sterben, Tod und Trauer

 

Autor: Evelyn FrankeRezension: Nina Sautmann

Mit Menschen mit geistiger Behinderung über Themen wie Sterben und Tod sprechen? Evelyn Franke sagt: Unbedingt! Denn auch Menschen mit geistiger Behinderung werden mit diesen Themen konfrontiert, sei es durch ihre eigene Krankheit oder durch die Krankheit und das Sterben von Menschen aus ihrem sozialen Umfeld. Auch sie haben Fragen an das Lebensende, die nicht unbeantwortet bleiben sollten.

Dieses Buch soll vor allem Angehörige und Begleiter von Menschen mit einer geistigen Behinderung dazu motivieren und befähigen, Themen wie Streben und Tod ihnen gegenüber anzusprechen. Aufgrund intellektueller Einschränkungen sind Menschen mit geistiger Behinderung nämlich häufig auf ihre Angehörigen und Begleiter angewiesen, sodass diese häufig ihre einzigen Ansprechpartner sind.

„Anders leben, anders sterben“ thematisiert die Vorstellungen von Leben und Tod von Menschen mit einer geistigen Behinderung, ihre Sprache und ihr Sprachverständnis und veranschaulicht all dies mittels Beispielen. Zudem beinhaltet das Buch wertvolle Praxistipps zur Umsetzung von Gesprächen mit Menschen mit einer geistigen Behinderung über Sterben, Tod und Trauer.

Fazit: Dieses Buch kann für diejenigen, die mit Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten und Fortbildungen anbieten möchten durchaus wertvoll sein, denn ein großer Teil dieses Werks beinhaltet Tipps für die Vorbereitung einer Fortbildung zum oben genannten Thema.

Für mich als Ehrenamtliche war dieser Teil eher uninteressant. Den übrigen Teil empfand ich dennoch als lesenswert, besonders wenn man in engem Kontakt zu (einem) Menschen mit geistiger Behinderung steht.


Keine Angst vor fremden Tränen

Autor: Chris Paul

Rezension: Anke Konermann

 

„Ich weiß gar nicht was ich sagen soll...“

Vielen Menschen fällt es schwer Trauernden zu begegnen. Sie haben Angst nicht die richtigen Worte zu finden oder etwas falsch zu machen, werden sprachlos und wenden sich aus Unsicherheit vielleicht ab. Dabei tragen trauernde Menschen schon den Verlust um den verstorbenen Menschen, gerade nun sind verlässliche Kontakte, Beziehungen so wichtig.

Dieses Buch ist geschrieben für alle, die sich mehr Sicherheit für ihre Begegnungen mit trauenden Menschen wünschen. Die Autorin, Chris Paul, ist unter anderem die Leiterin des Trauerinstitutes Deutschlands und greift auf ihren großen Erfahrungsschatz zurück. Durch Beispiele und Tipps wird anschaulich beschrieben, welches Verhalten trauenden Menschen gut tut und welches sie aber auch missverstehen können. Zum besseren Verständnis werden grundlegende Trauer-prozesse beschrieben.

Ein fachlicher und sehr alltagspraktischer Leitfaden für den Umgang mit trauernden Menschen, der hilft die Sprach- und Hilfslosigkeit zu überwinden und „die Angst vor fremden Tränen“ abzubauen, zuhören zu lernen und die Trauernden nicht alleine zu lassen. Verständnisvoll ermutigt Chris Paul jeden einzelnen Leser einen Weg zum Trauernden zu finden.

Ich hatte das große Glück Chris Paul persönlich kennenzulernen und war sehr beeindruckt von Ihrem Engagement und Fachwissen. Sie versteht es auf wunderbare und einfühlsame Weise einem nahezubringen wie wichtig es ist, trauernde Menschen nicht alleine zu lassen!


Lukas ist wie Lukas

Autor: Dagmar H. Mueller
Rezension: Nina
Sautmann

Diese Geschichte handelt von Tord und seinem großen Bruder Lukas. Die beiden mögen einander sehr und spielen gerne zusammen.

Doch Lukas ist nicht wie all die anderen Kinder: Er hat das Down-Syndrom.

Eines Tages möchten Tord und Lukas wie so häufig zusammen Fußball spielen, doch auf der Wiese, auf der sie immer spielen, sind schon andere Kinder. Tord darf im Gegensatz zu Lukas mitspielen. Als er jedoch den Ball ins Aus schießt, wird eines der anderen Kinder wütend und schubst ihn, woraufhin Lukas ihn ohne zu zögern verteidigt. Tord wird wütend: „Und warum darf Lukas nicht auch mitspielen?“. Die anderen Kinder stört, dass Lukas nicht so ist wie sie. Sie beginnen zu streiten, aber Tord und Lukas erkennen, dass Lukas einfach besonders ist. Lukas ist eben wie Lukas und das ist auch gut so! So ziehen sich die beiden selbstbewusst aus dem Streit zurück und lassen die anderen Kinder staunend auf der Wiese stehen.

„Lukas ist wie Lukas“ ist  meiner Meinung nach ein rührendes Bilderbuch, welches die besondere Beziehung von Geschwistern, von denen eines mit einem Handicap lebt, beschreibt. Eine solche Situation mag für alle Beteiligten nicht immer einfach sein, doch dieses Buch kann besonders jungen Geschwistern von einem Kind mit Handicap zeigen, wie wichtig es ist zusammenzuhalten und einander so zu akzeptieren, wie man ist.

Große, aussagekräftige Bilder von Susanne Szesny unterstreichen die Geschichte, sodass dieses Bilderbuch einen durch und durch positiven Eindruck bei mir hinterlässt.

Wirklich empfehlenswert! 


Es sind die Wolken, die die Sterne bewegen

Autor: Torun Lian
Rezension: Anke Konermann 

Dieses Buch ist eine Geschichte über den Tod, die Trauer, das Leben und die Freundschaft. Eine Geschichte, die einem deutlich macht wie sehr der Tod eines nahestehenden Menschen das ganze Leben einer Familie verändern kann. Maria ist 11 Jahre alt als sie durch eine Krebserkrankung ihren neunjährigen Bruder Pilten verliert. Seit ihr Bruder tot ist, ist nichts mehr so wie es war.

Die ganze Familie hat sich verändert. Ihre Eltern reden kaum noch mit ihr und ihre Mutter fällt in eine tiefe Depression. Maria gibt sich die Schuld am Zustand ihrer Mutter. Sie wird immer schweigsamer und fühlt sich völlig allein auf der Welt. Sie hätte so gerne jemanden zum Reden!

Als sie die Sommerferien bei den Großeltern verbringt, lernt sie Jakob kennen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten, hervorgerufen durch Marias große Verunsicherung, wird er ihr Freund. Ein Freund, der ihr zuhört und sie versteht. Ein Freund, der Maria zeigt, dass das Leben trotz allem noch Spaß machen kann. Ein Freund, der es schafft, die Isolation der Familie aufzubrechen, so dass diese lernen kann mit der Trauer zu leben und einen neuen Anfang zu finden.

Dieses wunderbare Buch ist sehr lebensnah geschrieben und ermöglicht auch Erwachsenen sich in die Gefühlswelt eines Kindes nach einem schweren Verlust hineinzuversetzen. Es werden keine Altersangaben benannt, meiner Meinung nach zum Vorlesen ab 8 Jahren, zum selber lesen ab 10 Jahren.

Dieses Buch hat mich zutiefst berührt. Es ist eine wundervolle Geschichte, die ich nicht vergessen werde. Die Autorin schreibt so fesselnd, intensiv und lebensnah, dass ich mich von der ersten bis zur letzten Seite mit Maria identifizieren und all ihre Gefühle nachempfinden konnte. Ich glaube, jeder der dieses Buch liest, wird sich anschließend bewusst, wie schön es ist und wie dankbar man sein muss, Menschen um sich zu haben, denen man alles anvertrauen kann und mit denen man lachen und weinen kann. 

Für mich wird in diesem Buch ganz besonders deutlich wie wichtig es ist, Menschen und insbesondere Kinder in ihrer Trauer nicht allein zu lassen.  


„Das Schicksal ist ein mieser Verräter“

Autor:  John Green , 2012, erschienen im Carl Hanser Verlag München
Rezension: Hannah Scheelje 

Es gibt längere und kürze Unendlichkeiten. In dem Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ erzählt John Green die Geschichte einer kurzen Unendlichkeit. Der Leser taucht ein in die Welt von Hazel Grace Lancester: Die 16jährige Hazel ist an Krebs erkrankt und legt ihre Wege nur in Begleitung ihres Sauerstoffwagens Philipp zurück. Das, was sie am wenigsten will, ist Mitleid – sarkastisch spricht sie vom Krebsbonus und die belehrenden Weisheiten über das Leben und den Tod ist sie längst leid. Hazel hat nicht resigniert – sie macht sich ihre eigenen Gedanken über das Universum, die Rolle der Menschen und ihren Platz darin.

Ihre Eltern, unermüdlich auf das Wohlergehen ihrer Tochter bedacht, schicken sie eines Tages in eine Selbsthilfegruppe für an Krebs erkrankte Jugendliche. Hier, „im buchstäblichen Herzen Jesus`“ verbringt Hazel nur sehr widerwillig Zeit mit anderen Betroffenen. Lediglich mit Isaac verbindet sie etwas: Seufzen, Kopfschütteln, das gemeinsame Warten auf das Ende der deprimierenden Gruppenveranstaltung. Doch als eines Tages August Waters im Stuhlkreis der Gruppe erscheint, ändern sich die Dinge. Neben der Dauerlektüre ihres Lieblingsbuches „Ein Herrschaftliches Leiden“ bekommen immer mehr andere Ereignisse Platz in ihrem Leben. Neben „Ein Herrschaftliches Leiden“, wohl bemerkt, denn Hazel und August begeben sich auf die Suche nach dem mysteriösen Ende des Buches, welches mitten im Satz endet. Auf 258 Seiten erlebt der Leser gemeinsam mit Hazel, August und Isaac die Höhen und Tiefen eines etwas anderen Teenagerlebens. Zwischen den Seiten wird viel gelacht, philosophiert, gefühlt, geliebt, Computer gespielt, gelesen – und vor allem: Es wird gelebt. Denn „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist keine Geschichte vom Krebs, Krebsbefunden und Krebstherapien, auch wenn diese eine grundlegende Rolle für alle Beteiligten spielen. Es geht nicht um das ungelebte Leben, um hätte-wäre-wenn-Gespräche sondern das Jetzt und Hier. Es geht um unangezündete Zigaretten, um Basketball, um Amsterdam, das Universum, die Angst vorm Vergessen werden - und eben um längere und kürzere Unendlichkeiten.

Der Einblick in das Leben von Hazel und allem, was sie umgibt, lässt den Leser mitfühlen, lachen und weinen. Hazels Art und Weise durch die Welt zu gehen, trotz des unvermeidlichen Endes durch ihre Krankheit, ermutigen und regen zum Nachdenken an, zeigen Möglichkeiten, Chancen, kleine Wunder auf – aber auch Grenzen und Schmerz. Denn „das ist das Problem mit dem Schmerz“, sagt August Waters, „Er will gehört werden.“ Die Geschichte von Hazel und allen Menschen, denen sie begegnet, ist vom Autor erfunden - doch „sich zu fragen, ob eine Geschichte auf Ereignissen in der Wirklichkeit beruht, kommt weder einem Roman noch seinen Lesern zugute. Derartige Versuche untergraben die Idee, dass erfundenen Geschichten Bedeutung haben, eine Idee, die mehr oder weniger die Grundlage unserer Spezies ist“. Dieser Vorbemerkung des Autors John Green in seinem Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist nichts mehr hinzuzufügen.

 

 


„Was ist das?“, fragt der Frosch

Autor: Max Velthuijs, Bilderbuch für die Kleinsten
Rezension: Katrin Beerwerth

Dieses Bilderbuch eignet sich, kleinen Kindern ein erstes Gespräch über den Tod anzubieten. Helle, großformatige Bilder und  ein Text, der sich auf das Wesentliche beschränkt, bringen die Geschichte auf den Punkt. Schwein und Frosch finden eine Amsel. Sie sind sich unsicher, was mit ihr los ist. Der Hase erkennt die Situation und gemeinsam mit der Ente beerdigen sie die Amsel an einem schönen Platz. Die Gefühle der Tiere wie Unsicherheit, Ratlosigkeit, Betroffenheit, Traurigkeit, aber auch Lebensfreude spiegeln sich in den Gesichtern der Tiere und bieten Kindern die Möglichkeit eigene Gefühle zu benennen. Und vor allen Dingen spiegelt die Geschichte wieder, dass Kinder anders trauern als wir Erwachsenen. Sie sind in der Lage, in einem Moment zutiefst traurig zu sein um dann in dem nächsten Moment sich wieder dem Leben zuzuwenden. So spielen die vier Freunde nach der Beerdigung und einem Moment des Innehaltens zusammen Fangen, sind ausgelassen und lachen.


Wie der kleine rosa Elefant einmal sehr traurig war und wie es ihm wieder gut ging

Autorin: Monika Weitze
Rezension: Maike Biermann

Die Geschichte handelt von einem kleinen Elefanten namens Benno, der eines Tages seinen allerbesten Freund Freddi verabschieden muss, da dieser mit seiner Herde in eine andere Richtung weiterzieht. Der Abschied macht den kleinen Elefanten unendlich traurig, so dass es ihm schwer fällt zu spielen oder zu essen. Immer wieder muss er weinen, doch von niemandem wird er in seinem Gefühl der Traurigkeit so recht aufgefangen und Ratschläge wie: „Das ist doch nicht so schlimm, das passiert jedem einmal“ machen ihn nur noch trauriger. Er macht sich daraufhin auf den Weg zu der Eule Heureka, die ihm eine Anleitung zum Traurig Sein gibt und ihm signalisiert, dass er mit all seinen Gefühlen so in Ordnung ist. Sie erklärt ihm wie er mit seiner Traurigkeit umgehen kann und gibt ihm vier kluge Tipps: 1. Weine 2. Erzähle über deine Traurigkeit 3. Schaff deinem Freund einen Platz in deinem Herzen 4. Nimm dir viel Zeit. Der kleine Elefant geht nach Hause, setzt die Dinge, die ihm geraten wurden um und kann eines Tages auch wieder lachen. Dieses Buch ist ein wundervoll einfühlsames und weises  Buch über die Beschreibung des Trauerprozesses, bzw. möglicher Trauerphasen. Auf verständliche Art und Weise wird Kindern hier vermittelt worauf es bei der Trauer ankommt, nämlich die Kanalisierung der Traurigkeit in Tränen, um das Gefühl der Trauer zuzulassen, die Kommunikation (sprich mit anderen über deine Traurigkeit), um getröstet zu werden und gib dem Verlorenen einen neuen Platz, um wieder am Leben teilhaben zu können. Diese Schritte machen es dem Elefanten in dieser Geschichte möglich, sich  neu zu orientieren und wieder mit anderen zu spielen. Es ist ein hoffnungsvolles Buch, das dem Leser eine gute Möglichkeit zur Identifikation gibt und einem das Gefühl vermittelt, in seinem Trauerprozess verstanden zu werden. Wundervolle, aussagekräftige Illustrationen von Eric Battut unterstützen den Text. Sowohl für Kinder als auch Erwachsene ist dieses Buch ein hilfreicher Begleiter bei Abschieds- und Trauerprozessen! Ich selber lese es immer wieder gerne und entdecke darin immer wieder etwas Neues für mich. Ich kann es eigentlich nur jedem ans Herz legen, dieses Buch einmal zu lesen. Gerne verwenden wir es auch in der Schulung für unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter, um anhand dessen die Trauerphasen zu verdeutlichen. Ein wirklich ausgezeichnetes Bilderbuch!


Dieses bescheuerte Herz – über den Mut zu träumen, von Daniel Meyer mit Lars Amend

Rezension:  Katrin Beerwerth

 

Lars Amend, Schriftsteller, 35 Jahre und des Lebens ein wenig müde, trifft sich in einem Café mit einer Freundin, die in Hamburg ein Tageshospiz für Kinder und Jugendliche leitet. Die Freundin erzählt ihm von einem fünfzehnjährigen Jungen, der schwer herzkrank geboren worden ist und dessen Leben dem Ende sehr nah ist. Spontan fragt Lars Amend, ob er ihn kennenlernen könnte. Für Daniel, so heißt der Junge, geht mit dieser Begegnung ein Stern auf. So sehr hatte er sich Kumpels gewünscht um mit ihnen coole Dinge unternehmen zu können und nun das. Schnell wird klar, die beiden sind mehr als gute Freunde, sie sind wie Brüder füreinander da und oft fragt man sich, wer eigentlich der Ältere von den beiden ist.

Als es Daniel sehr schlecht geht drückt ihm Lars ein Stück Papier und einen Stift in die Hand. „Schreib Deine Wünsche auf!“, so lautet Lars Bitte. „Nichts leichter als das“, denkt sich Daniel und legt los. Und dann geht es auch im wahren Leben los. Gemeinsam machen sich die Zwei daran, die Liste abzuarbeiten. Coole Mädchen treffen, in einem 5 Sterne Hotel schlafen, aber auch die Mama endlich wieder glücklich sehen sind einige seiner Wünsche.

Lars und Daniel nehmen uns mit auf ihre Reise und nehmen kein Blatt vor den Mund. Offen und ehrlich schildern sie von ihren Erlebnissen, auch den traurigen und den bedrohlichen, wenn Daniel beispielsweise solche Schmerzen hat, dass er seiner Mama ins Zimmer nebenan nur eine SMS mit der 112 schicken kann, damit sie den Notarzt alarmiert.

kranke Kinder - egal ob seelisch oder körperlich beeinträchtigt - weiß, wird vielleicht über Daniels Verhalten stolpern. Manchmal überrascht er den Leser mit tiefgehenden Bemerkungen, manchmal reißt er coole Sprüche und gibt offen zu, dass er endlich ein Mädchen küssen möchte und viel mehr und dann gibt es noch eine sehr kindliche Seite, die scheinbar nicht zu einem 15-jährigen Jungen passt. Mein Eindruck ist, dass Daniel von seinem Leben manchmal überrollt wird und überfordert ist, all die Dinge zu verarbeiten. So „flippt“ er dann mal aus oder zieht sich zurück um mit seinen Kuscheltieren zu knuddeln.

Ich möchte Ihnen dieses Buch ans Herz legen. Daniels Mut so unverblümt über sich zu erzählen eröffnet uns ein größeres Verständnis für die Sorgen, Wünsche, Lebensfreude und Ängste schwererkrankter Kinder, auch wenn dies bei jedem Kind natürlich unterschiedliche Nuancen hat.

 

 


Wie ist das mit der Trauer, von Roland Kachler

Rezension: Maike Biermann

„Wie ist das mit…der Trauer“, ein Buch von Roland Kachler, 2007 im Gabriel Verlag erschienen.
In diesem Buch dreht sich alles um das Thema Abschied, vom kleinen, einfachen bis hin zum schlimmen Abschied. Das Buch ist aufgeteilt in einzelne in sich abgeschlossene Erzählungen in kindgerechter Sprache, die sich mit unterschiedlichen Lebens-/Trauersituationen von Kindern und Familien beschäftigen. So werden beispielsweise die Geschichten von Lena und Tim erzählt, deren Großeltern verstorben sind oder von Benni und Sofie, die mit dem plötzlichen Tod ihres Vaters zurechtkommen müssen bis hin zu Maxi, die um ihren verstorbenen Bruder trauert und sich schuldig daran fühlt. In diesen Erzählungen wird kein Gedanke tabuisiert und alles an- bzw. ausgesprochen, was Kinder in diesen Situationen bewegt. Die  unterschiedlichen Gefühle in den verschiedenen Phasen der Trauer wie beispielweise Schock und Nichtwahrhabenwollen bis hin zu einer gelingenden Trauerbewältigung werden hier verständlich zur Sprache gebracht. Oft fühlen sich Kinder, die mit dem Abschied konfrontiert sind sprachlos und können ihre Gefühle nicht in Worte fassen. Diese Erzählungen holen die Kinder behutsam in ihren Gefühlen dort ab, wo sie gerade stehen, und verhelfen dazu, ihre eigenen Trauerreaktionen besser zu verstehen und einzuordnen. Kindern gelingt es schnell, sich mit den Akteuren dieses Buches zu identifizieren.
In die Geschichten sind immer kleine Infoblöcke und Texte eingeschoben, in denen Themen aus den Erzählungen, wie beispielweise der Ablauf einer Beerdigung, einzelne Trauerphasen, Friedhof etc. nochmal gesondert aufgegriffen und erläutert werden. Diese können auch von den Erwachsenen als hilfreiche Anregungen zum Gespräch mit dem Kind genutzt werden. Darüber hinaus sind in dem Buch viele tragende hoffnungsvolle Bilder zum Thema Sterben und Tod aus dem christlichen Glauben zu finden, die den Kindern und Erwachsenen angeboten werden. Dadurch bleibt dieses Buch nicht rein informativ, sondern beinhaltet viele tröstende Momente.
Die kurzen Erzählungen können voneinander unabhängig je nach Trauersituation des Kindes eingesetzt werden.
Ich empfinde dies Buch als ein besonderes Buch, da es gelungen ist, durch unterschiedlichste Erzählungen Kinder in ihren doch so vielfältigen Gefühlen und Reaktionen in der Trauer zu erreichen und dem Gefühlten, wie Traurigkeit, Wut, Angst, Ohnmacht, Schuld, Schock, Unsicherheit, Verzweiflung etc. Worte zugeben. Trotz der vielen Informationen spendet es Trost und Hoffnung und ist dadurch ein wertvoller Begleiter in vielfältigen Trauersituationen im Erleben eines Kindes.

 

 


Über das Sterben, von Gian Domenico Borasio

Was wir wissen - Was wir tun können - Wie wir uns darauf einstellen

Rezension: Bettina Greulich

„Was uns allen zu wünschen ist, ist ein nüchterner und gelassener Blick auf die eigene Endlichkeit. Dies

erfordert eine ruhige und wiederholte Reflexion, am besten im Dialog mit Menschen, die uns am nächsten stehen. Das passiert leider im Leben eher selten, und wenn, dann oft sehr spät. Nehmen wir uns die Zeit dafür.“

Gian Domenico Borasio, geb. 1962 in Italien, war Mitbegründer des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin in München und ist seit 2011 Inhaber des Lehrstuhls für Palliativmedizin an der Universität in Lausanne. Systematisch, fachkundig und einfühlsam behandelt er das Thema Sterben in einer auch für medizinische Laien verständlichen Sprache.

In den ersten Kapiteln schildert Borasio das, was wir über das Sterben wissen - die biologischen Fakten, die Orte, an denen gestorben wird (oder die wir uns zum Sterben wünschen) und die vorhandenen Strukturen der Sterbebegleitung.

Dann wendet er sich dem zu, was für ihn die grundsätzliche Frage in der Begleitung Sterbender ist:

„Was brauchen die Menschen am Lebensende?“

Ausführlich und durch Beispiele aus seiner langjährigen Tätigkeit bereichert beschreibt er die vier „Säulen“ jeder Patientenbegleitung: Kommunikation - Medizinische Therapie - Psychosoziale Betreuung - Spirituelle Begleitung. Dabei kommt der Kommunikation eine Schlüsselrolle zu (Kommunikation zwischen Arzt/Pflegenden und Patient, Kommunikation bei eingeschränktem Bewusstsein, Kommunikation innerhalb der Familie). Wie sie gelingen kann, dazu gibt er hilfreiche Tipps.

Auch zu anderen Problemen am Lebensende nimmt Borasio Stellung und gibt konkrete Empfehlungen, u.a. zu Ernährung und Flüssigkeit, Atemnot oder Schmerzen.

Ein Kapitel ist dem Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung gewidmet. Auch hier gibt er dem Leser praktische Hinweise zur Umsetzung.

Hauptziel des Buches, so Borasio, ist es, den Menschen ein Stück weit die Angst vor dem Sterben zu nehmen. Dies gelingt nicht allein durch die Fülle an Informationen, sondern vor allem durch den ruhigen, warmen Ton. Auch als Hörbuch, vom Autor selbst gelesen, empfiehlt sich das Buch, das, wie ich finde, ein wichtiges Buch für alle ist, die sich für sich selbst, in der Familie, im Beruf oder im Ehrenamt mit dem Sterben auseinandersetzen möchten. Zuletzt noch einmal ein Zitat:

„Dieses Bewusstsein um die eigene Endlichkeit ist das große Geschenk, das allen in der Palliativ- und Hospizarbeit Tätigen zur Verfügung steht. Der entscheidende Vorteil unserer Arbeit ist, das wir die einmalige Chance haben, von unseren sterbenden Patienten das Leben zu Lernen.“


Die Hälfte des Himmels gehört Bo, von Dagmar H. Mueller für Kinder ab 6 Jahren

Geschichten, in denen wir mit dem Sterben und dem Tod konfrontiert werden, sind zumeist traurig. Dieses Kinderbuch jedoch ist offen und authentisch und an verschiedenen Stellen sogar sehr lustig. Geschrieben ist es aus der Perspektive der elfjährigen Martha, die sich als drittälteste Schwester in der Geschwisterfolge ein gemeinsames Kinderzimmer mit ihren sechsjährigen Bruder Boris, genannt Bo, teilt. Zank und Streit sind da ebenso an der Tagesordnung wie Kuscheln, kleine Geheimnisse und gemeinsame Streiche. Wie in jeder Familie mit mehreren Kindern.

Zunehmend belastend empfindet Martha nur die Tatsache, dass die Eltern ihrem Jüngsten unverhältnismäßig viel durchgehen lassen. Bo kann anstellen, was er will, die Reaktion der ansonsten sehr konsequenten Eltern ist Sanftmut und Nachgiebigkeit. Die Erklärung für dieses widersprüchliche Verhalten lässt sich irgendwann nicht mehr zurückhalten. Die Eltern müssen ihren Töchtern die Wahrheit über Bo sagen, eine Wahrheit, die sie selbst und Bo schon lange kennen: Bo, der noch nie so schnell laufen konnte wie seine gleichaltrigen Freunde und der auch ein paar Mal bewusstlos zusammenbricht, ist so krank, dass er sterben wird.

Mit einem Mal versinkt die heile Kinderwelt in einer dunkelgrauen Wolke. Nur Bo mit seinem unbekümmerten, sonnigen Gemüt, Bo mit seinem unbeugsamen Willen, Bo, der Besserwisser und Rechthaber, Bo, der „große Nichtübelnehmer“, dieser Bo klagt nicht. Denn die Hälfte des Himmels gehört längst ihm.

Den Himmel hat er nämlich Herrn Körner, dem Piloten, abgekauft. Für drei Zitronenbonbons und zwei große Himbeerlutscher.

Seine Eltern haben ihm damit geholfen einen Himmel zu entwerfen, auf den er sich freuen kann. Das zeugt von großer Kraft, von Stärke und von Liebe, und damit endet die anrührende Geschichte auch: mit dem Glück, Bo erlebt und geliebt zu haben, wenn auch nur für kurze Zeit. Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben, Erwachsene werden im letzten Drittel Mühe haben, die Tränen zurückzuhalten.

Die Lektüre ist in jedem Fall eine Bereicherung und eignet sich zum Selber lesen für Kinder ab 10 Jahre, zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahre.

 

Rezension von Oda Findorff-Otto


Im Himmel kann ich Schlitten fahren, von Michael Mertensen für Erwachsende

Die kleine Sophia, die Tochter des Autors, noch nicht einmal ein Jahr alt, erkrankt an einer aggressiven Leukämie. Nach der Diagnose ist „die Welt da draußen“ für die Familie ganz weit entfernt, sie taucht ein in die Schicksalsgemeinschaft der Eltern und Kinder auf der Krebsstation.

Es ist die ganz besondere Vater-Tochter-Beziehung, die diesem zutiefst berührenden Buch neben der Konfrontation mit dem letztlich doch unausweichlichen Schicksal eine besondere Tiefgründigkeit verleiht. Der untröstliche Vater nimmt den Leser wie einen vertrauten Begleiter mit auf jeden Krankenhausflur, zu jeder martialischen Untersuchung, in jedes Krankenzimmer, so dass es fast körperlich schmerzt. Ebenso lässt er ihn an der unaussprechlichen Freude teilhaben, wenn sich ein Hoffnungs-schimmer abgezeichnet, bindet ihn emotional ein in den verzweifelten Kampf um das Überleben des Kindes.

Eine weitere wunderbare und liebevolle Beziehung wird jeden Tierfreund und Hunde-liebhaber faszinieren: das besondere Verhältnis von Sophia und der Hündin Cindy. Das feine Gespür des Tieres und die immer mehr wahrzunehmende Reife des jungen Kindes machen jeden Erwachsenen sprachlos.

Längst haben sich die Prioritäten verschoben: wie wertvoll ist die verbleibende Zeit geworden! Ungläubig und dankbar nimmt die Familie wahr, wie viele - auch ihnen völlig unbekannte - Menschen Hilfsaktionen für die kleine Sophia ins Leben rufen: "Es war schön, sich in Nächstenliebe geborgen zu fühlen!"

Der Leser wird am Ende des Buches ein anderer sein als am Anfang. Und er wird drei Päckchen Papiertaschentücher verbraucht haben. Er wird neu nachgedacht haben über die Würde des Lebens, über die Würde eines Kindes.

Michael Martensen hat ein Kampf- und Trostbuch für Väter geschrieben und für Menschen, die Väter in ähnlich dramatischen Situationen verstehen lernen und ihnen hilfreich zur Seite stehen möchten.

Rezension von Oda Findorff-Otto


Gegen die Angst, von Regine Stokke - für Jugendliche

Die Autorin Regine erfährt mit 17 Jahren, dass sie eine schwere Form einer Leukämie hat. Schon schnell erklären ihr die Ärzte, dass sie unheilbar erkrankt ist, aber Regine ist eine Kämpferin und sie gibt nicht auf. In ihrer Auseinandersetzung mit der Krankheit fängt sie an zu bloggen (ein Blog ist ein öffentliches Tagebuch im Internet). Ihr Blog  wird über einen langen Zeitraum der zweithäufigst besuchte Blog in ihrer Heimat Norwegen. Und nicht nur Jugendliche, nein Menschen jeder Altersschicht nehmen Anteil und schreiben Regine. In dem Buch werden ihre Nachrichten und auch ausgewählte Kommentare dargestellt. 

Regine denkt sehr sensibel und weitsichtig über ihr Leben nach. Sie probiert trotz aller Rückschläge, die sie zunehmend erleidet, das Leben zu genießen. Ihr liebstes Hobby ist mir ihrer besten Freundin Eli Ann Festivals zu besuchen, ihr Herz schlägt für Heavy Metal. Aber auch die Kunst bedeutet ihr sehr viel und so streift sie durch die Natur und fotografiert. Ihre Fotos finden weiten Anklang und werden sogar ausgestellt. Auch beim Malen kann sie abschalten und Energie tanken. Ihre Fotos und Bilder sind sehr beeindruckend und runden das Buch ab.

Regine lässt uns Anteilnehmen in ihrer Auseinandersetzung und ihr Ringen mit Leben und Tod. Ihr enges Familienband, ihre Freundschaften und auch die vielen aufmunternden und teilnehmenden Kommentare aus ihrer Bloggergemeinde können sie immer wieder auffangen.

Leider verschlimmert sich ihr Gesundheitszustand zunehmend, so dass Regine und ihre Familie 2009 das Weihnachtsfest vier Wochen vorverlegen. Am 03.12. verstirbt Regine zu Hause im Beisein ihrer Familie und ihrer Katze. Das Buch schließt mit „letzten“ Grüßen der Familie und der engsten FreundInnen ab. 9000 Leser senden Regine einen letzten Gruß.

Regine bewegte durch ihren Blog die Menschen und brachte sie dazu, über das Leben nachzudenken und sich für kranke Menschen zu engagieren (bspw. nahm die Blut- und Knochenmarkspende  Dank Regines Aufrufen zu). Mich persönlich hat ihr Buch sehr berührt und nachdenklich gestimmt. Regine ist eine junge Frau gewesen, vor der ich den Hut ziehe und die noch heute  diese Welt bereichert. Danke, Regine!

Rezension von Katrin Beerwerth


Als Otto zum ersten Mal das Herz brach

Als Otto zum ersten Mal das Herz brach
Autor Axel Schulß, Illustrationen von Daniela Bunge

Annie wird niemals wiederkommen! Mit dieser plötzlichen Nachricht nach einem tödlichen häuslichen Unfall des kleinen Mädchens wird Otto an einem Morgen konfrontiert. Aber Annie ist nicht irgendeine Klassenkameradin – sie ist mit Otto auf eine besonders liebevolle Weise verbunden. Sie sind gemeinsam sogar mit Ringen verbunden, die sie sich von ihrem Taschengeld mühevoll aus einem Kaugummiautomaten gezogen haben. Eigentlich hatten sie im Kinderzimmer sogar richtig geheiratet. Nun ist Annie nicht mehr da. Und Ottos verwundete kleine Kinderseele erinnert an die eines Witwers, der um seine geliebte Frau trauert. Er besucht alle Plätze, an denen sie gemeinsam waren. Er spürt die Einsamkeit. Vieles kann er nur alleine bewältigen, aber in seinem einfühlsamen Elternhaus und in der Schule erfährt er Trost und gute Begleitung.

Es ist ein zartes und anrührendes Buch darüber, wie ein kleiner Junge lernt, mit dem Tod umzugehen. Es wird den kleinen Leserinnen und Lesern helfen zu verstehen, wie sich ein Angehöriger fühlt, wenn der Partner plötzlich verstirbt. Daniela Bunge hat die zu Herzen gehende Geschichte in warmen Farben detailreich illustriert, so dass auch jedes Bild für sich zum Innehalten und Nachdenken einlädt. Dieses Buch sollte in keiner Grundschulbibliothek fehlen.

Oda Findorff-Otto


Torsten Körner: Probeliegen – Geschichten vom Tod

Der Autor ist kein Unbekannter. Er ist 2010 mit dem Dt. Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden und unter anderem bekannt durch seine beachteten Biographien über Franz Beckenbauer, Götz George und Heinz Rühmann. Sein Buch „Probeliegen“ fiel mir in der Bücherei ins Auge und durch den Klappentext neugierig geworden, nahm ich es kurzentschlossen mit.

Torsten Körner setzt sich in diesem Buch bewusst mit dem Tod auseinander. Er hospitiert in einem Krankenhaus, in einem Altenheim und einem Hospiz. Er sammelt Erfahrungen als Totengräber, schaut einem Gerichtsmediziner über die Schulter und führt viele Interviews mit Menschen zum Thema Tod. Dabei geht er mutig und offen an die Situationen heran und lässt sich überraschen. Er lädt uns ein an seinen Erfahrungen teilzuhaben. Es  gelingt mir aber nur zeitweise in das Buch einzutauchen. So springt mir zu Beginn des Buches ein Satz in die Augen: „Dem Tod zuzuhören, heißt Leben lernen".  Torsten Körner macht solche Erlebnisse. Besonders beeindruckend ist es, wie sich der Besuch im Hospiz auf ihn auswirkt. Hier wird spürbar, dass die These im Tod Lebendigkeit zu spüren, aufgeht. Seine Aufforderung, uns bewusst mit dem Tod auseinanderzusetzen und in der Folge reicher zu leben, ist greifbar.

Es gibt jedoch auch immer wieder Passagen, die mich befremden. Beispielsweise seine Abhandlung über die POP Musik, welche „so diesseitig und sterblich wie nur irgendetwas“ ist und in dessen vielfältigen Einfalt er Trost findet. Auch seine Beobachtungen beim Dreh eines Pornos auf der Suche nach einer Verknüpfung zwischen Lust und Vergänglichkeit  lassen mich rätseln. Diese Passagen ziehen sich für mich in die Länge, so dass ich auch schon mal ein paar Absätze nur überfliege oder überspringe.

Der Vorteil des Buches mag darin liegen, dass auf Grund der vielen unterschiedlichen Szenen für jeden etwas dabei ist, mich persönlich befremdeten und irritierten manche Szenen, so dass ich immer wieder in das Buch hineinfinden musste. Mir fällt es schwer zu einem abschließenden Urteil zu kommen.

Katrin Beerwerth

Scherz, einem Unternehmen der S. Fischer Verlag GmbH, FaM, 2011


Ein Dino zeigt Gefühle

von Heike Löffel und Christa Manske

erschienen im mebes & noack Verlag
ISBN 3-927796-42-5

Dinos sind immer groß, stark und gefährlich, denkt man, aber sie können auch ganz schön traurig oder ängstlich sein.

Wie sich Trauer und Angst, aber auch Gefühle wie Nachdenklichkeit, Unentschlossenheit oder Geborgenheit anfühlen wird in diesem Buch sehr anschaulich dargestellt. Dabei wird jedem Gefühl eine Doppel-Seite gewidmet, der Text wird durch jeweils ein ausdrucksstarkes Bild unterstützt und es bleibt viel Freiraum für individuelle Geschichten.

„Ein Dino zeigt Gefühle“ ist als Begleitung für Gespräche mit Kindern über ihre Gefühle gedacht, um ihnen zu helfen ihre Gefühle auszudrücken, sich dadurch besser wahrzunehmen und das Selbstbewusstsein zu stärken.

Zusätzlich gibt es einen Ratgeber, der Sie beim Einsatz des Buches begleitet.


Behutsame Worte für ein schwieriges Thema

Ein Himmel für Oma

Ein Bilderbuch über das Sterben und den Tod

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, haben Eltern oft Angst, sich ihren Kindern gegenüber falsch zu verhalten. Auch Kinderbuchautoren scheuen dieses Thema. Antonie Schneider hat gut daran getan, sich Rat bei professionellen Trauerbegleitern einzuholen, ehe sie die Texte für Ihr Bilderbuch geschrieben hat.

Den gesamten Presseartikel der WN vom 10.08.2010 finde sie Leitet Herunterladen der Datei einhier als PDF

Ein Himmel für Oma

Das Bilderbuch "Ein Himmel für Oma" von Antonie Schneider können Sie hier bei uns für nur 11,95 Euro (zzgl. Porto) bestellen. Nehmen Sie einfach mit uns Kontakt auf.


Rote Karte für den Schmerz

Wie Kinder und ihre Eltern aus dem Teufelskreis chronischer Schmerzen ausbrechen

Von Michael Dobe und Boris Zernikow Carl-Auer Verlag, Heidelberg, 2009

Michael Dobe ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln und arbeitet dort auf der psychosomatischen Station mit dem Schwerpunkt Kinderschmerztherapie. Boris Zernikow ist Chefarzt der Abteilung für Schmerztherapie, Palliativmedizin und Psychosomatik der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln. Ihr Fachwissen und ihre vielfältigen Erfahrungen werden in diesem Buch anschaulich miteinander verbunden. Fallbeispiele und Zitate von Kindern und Jugendlichen und ihren Familien machen belastenden Situationen greifbar. Das Buch besticht durch eine verständliche Schreibweise, so dass auch der Laie die Informationen leicht nachvollziehen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist die klare Struktur des Buches. Zunächst erfahren wir Grundlegendes zum Thema Schmerz. Was ist ein akuter, was ein chronischer Schmerz? Wir lernen den Teufelskreislauf „Schmerz“ kennen und erfahren, dass es ein Schmerzgedächtnis gibt. Die Autoren klären uns über typische Denkfallen auf, in denen das Umfeld durch den hohen Leidensdruck hineinfallen kann, welches leider den Teufelskreislauf verstärkt. Natürlich fehlt es nicht an praktischen Hilfestellungen, wie Kinder/Jugendliche und ihre Eltern den Schmerz eindämmen können. Auch Informationen über spezielle Schmerzsymptomatik bei Bauch-, Rücken- und Kopfschmerzen werden gegeben. Gleichwohl weist das Buch immer wieder auf Grenzen hin und gibt Informationen über Anlaufstellen, wenn eine Behandlung durch jemand Professionelles stattfinden muss. Das Buch ist sehr empfehlenswert, denn es hält auch viele interessante Informationen für Eltern bereit, deren Kinder nicht aktuell unter starken Schmerzen leiden, denn es gibt grundlegend Anlass darüber nachzudenken, wie wir unsere Kinder bei Schmerzen sehr wahrscheinlich besser begleiten können. Für betroffene Familien ist dieses Buch ein Schatz, denn endlich kann man sich verstanden fühlen. Konkrete Tipps für unterschiedliche Altersstufen geben eine praktische Möglichkeit aktiv etwas an der Situation zu verbessern. Das Buch ist als Taschenbuch erhältlich und kostet 16,95€. Zunächst verwundert der Preis für die 188 Seiten, aber für interessierte Menschen und betroffene Familien ist es goldwert.