Buchbesprechungen zum Thema

Im Himmel ist es fast genauso

Autor: Ulf Stark

Rezension: Maike Biermann

 

„Im Himmel ist es fast genauso“ ist ein sehr ungewöhnliches und beeindruckendes Kinderbuch, das vom Tod, von der Trauer, vom Vermissen und tiefen Gefühlen berichtet.

 

Es erzählt die Geschichte eines achtjährigen Jungen, dessen Schwester bei der Geburt, drei Jahre vor seiner eigenen Geburt gestorben ist. Seine Mutter verkriecht sich oft mit Kopfschmerzen tagelang im Bett und Ulf ist auf sich selbst gestellt. Er muss immer leise sein, da „Mama eine Strassenbahn im Kopf“ hat.  Ulf ist oft bei seinem Freund Klas. Gemeinsam machen sie sich Gedanken über den Tod und Ulf spricht über die verstorbene Schwester. Er vermisst sie sehr, obwohl er sie nie kennengelernt hat. Er denkt darüber nach, wo wohl die Toten wohnen und fragt seinen Vater, ob der Himmel so groß sei, dass alle Toten darin Platz finden. Sein Vater wimmelt ihn jedoch schnell ab und sagt, dass es keinen Sinn macht über Tote zu sprechen.  Ulf überlegt sich, wo die Schwester jetzt wohl sein könnte und Klas erzählt ihm von seiner Phantasie, dass man mit den Toten im Himmel über ein Mikrofon sprechen könne. Schließlich probiert Ulf heimlich den Funkapparat von Papa aus und schickt eine Nachricht an seine Schwester. Sie solle ihn doch bald besuchen! Am nächsten Tag begegnet er einem Mädchen im Alter seiner Schwester, verbringt spielenderweise viele Stunden mit ihr, freundet sich mit ihr an und kommt zu dem Schluss, dass das seine Schwester sein könnte. Als  sich aufklärt, dass das Mädchen eine Freundin seines Bruders ist, ist er zutiefst erschüttert. Ulf findet jedoch aus der Traurigkeit heraus, da Klas ihm erklärt, dass in diesem Mädchen vielleicht für den Moment seine Schwester spürbar war. Dies tröstet Ulf sehr.

 

Dieses Buch erzählt von einer tiefen Traurigkeit  und dem Sehnen des Jungen nach seiner großen Schwester. Es wird deutlich, wie wichtig Antworten für Kinder sind und manchmal sind es vielleicht Antworten, die für uns Erwachsen erstmal abwegig erscheinen. Für Ulf ist es so, dass er über greifbare Mittel versucht Kontakt in den Himmel zu bekommen. Kinder denken anschaulich und sie brauchen unsere Unterstützung. In dieser Geschichte sind beide Elternteile nicht wirklich greifbar und doch gelingt es den Kindern, für sich eine Antwort zu finden und seiner toten Schwester einen Platz im Leben zu geben.

 

Ich empfinde die Geschichte bei aller Traurigkeit als sehr hoffnungsvoll. Sie ist großartig und sehr klar  geschrieben und sowohl für Kinder als auch für Erwachsene empfehlenswert!

 

Gemeinsam trauern – gemeinsam weiter leben

AutorInnen: Roland Kachler, Christa Majer-Kachler

Rezension: Königskinder

 

Zum wiederholten Male stelle ich Ihnen an dieser Stelle ein Buch von Roland Kachler vor. Nun eines, welches er zusammen mit seiner Frau geschrieben hat. Ich darf Ihnen vorab verraten, dass ich auch dieses Buch sehr empfehlenswert finde. Wie alle von Roland Kachler, die mir bis jetzt in die Hände gefallen sind.

 

Der Tod eines Kindes stellt Paare vor großen Herausforderung: Wie soll man in der eigenen Trauer noch für den Partner da sein? Wie soll man in dieser schwierigen Situation noch Verständnis und Kraft für die vielleicht ganz andere Trauer des Partners haben und damit umgehen können? Das Paar setzt sich auch mit Tabuthemen auseinander, z.B. geht es der Frage nach, welche Rolle noch die Sexualität in der Paarbeziehung spielt.

 

Das Ehepaar gibt uns sehr persönliche Eindrücke wie sie zusammen diesen Weg gegangen sind. Immer wieder schildern sie aus ihren Sichtweisen, wie sie sich mit Themen auseinandergesetzt haben, Situationen erlebt haben und dies ist häufig unterschiedlich. Diese Herangehensweise macht Mut die vielleicht divergente Trauer des Partners  zu akzeptieren und so besser mit ihr umgehen zu können.

 

Wichtige Hintergrundinformationen festigen das Verständnis für die Komplexität von Trauerprozessen. Praktische Übungsvorschläge helfen trauernden Paaren miteinander ins Gespräch zu kommen beispielsweise über die Einsamkeit in der Trauer, die persönlichen Erinnerungsorte des jeweiligen oder über die Sprachlosigkeit in der Trauer. Abgerundet wird das Buch durch die Ergebnisse einer Umfrage unter trauernden Eltern, die das Ehepaar durchgeführt hat.

 

Mir gefällt das Buch sehr gut. Da die beiden Autoren aus eigener Erfahrung schreiben besticht die sehr persönliche und offene Erzählweise, wodurch sehr unterschiedliche Sichtweisen der Trauer beschrieben werden.  Dies sehe ich als eine große Chance für trauernde Paare. Der Trauerweg der Kachlers kann als Beispiel gesehen werden trotz der großen Herausforderung einen gemeinsamen Trauerweg zu finden, bei dem jeder seine Individualität leben kann.

 

Als einen weiteren Pluspunkt sehe ich den sehr sensiblen Schreibstil an. Das Ehepaar versteht sein Buch -gerade auch die Übungen- als Angebot. So entsteht nicht der Eindruck, dass die Leser es linear durcharbeiten müssen. Es eignet sich auch dazu, immer mal wieder darin zu blättern und Stichworte aufzugreifen und sich durch kurze Abschnitte inspirieren zu lassen. Dies finde ich sehr wichtig, da trauernde Menschen vielleicht auch nur kurze Abschnitte lesen können.

 

Insgesamt ein sehr umfangreiches und informierendes Buch.

Tod - kein Thema für Kinder? Zulassen - Erfahren - Teilen

Autoren: Klaus Wegleitner, Dirk Blümke, Andreas Heller, Patrick Hofmacher (Hrsg.)

Rezension: Kira Kopytziok

 

Für Eltern, Erziehende, LehrerInnen, PadagogInnen, JugendgruppenleiterInnen, MitarbeiterInnen von Hospiz- und Palliativdiensten

 

Das Buch „Tod- kein Thema für Kinder?“ setzt sich auf praktische Art und Weise mit der Bearbeitung der Themen Leben, Sterben, Tod und Trauer auseinander.

 

In unserer Gesellschaft werden Kinder oftmals intuitiv von den Themen Sterben und Tod ferngehalten. Auch der Umgang mit der Trauer von Kindern fällt vielen Personen schwer. Kindergärten und Schulen kommen häufig auf Hospizdienste zu und suchen Beratung für die  Bearbeitung der Themen Sterben, Tod und Trauer mit Kindern und Jugendlichen.  Aufgrund dieser Erfahrungen haben die Malteser Hospizdienste ein mehrjähriges, deutschlandweites Modellprojekt mit dem Titel:  „Gib mir´n kleines bisschen Sicherheit- Die Unsicherheiten des Lebens und des Sterbens teilen“ gestartet.

 

In verschiedenen Lebens- und Sozialräumen von Kindern und Jugendlichen (Kindergärten, Schulen, Kinder- und Jugendgruppen und Pädagoginnen und Pädagogen) wurden Projekte durchgeführte und sich mit den Fragen des Lebens und des Sterbens auseinandergesetzt. All diese Projekte werden praxisnah im Buch dargestellt und geben Anregungen für die Auseinandersetzung mit den Themen.  Das Buch wird als „Werkstattbuch“ beschrieben, welches vielfältige Erfahrungsberichte der Dienste und Projekte der Malteser beinhaltet.

 

Das Buch bietet die Möglichkeit praktische Methoden für den Umgang und die Bearbeitung der Themen des Lebens und des Sterbens kennenzulernen. Es kann Eltern dabei unterstützen, Ideen zu finden, wie sie ihre Kinder in der Trauer begleiten können. Besonders Pädagoginnen und Pädagogen bietet es viele Anregungen für die praktische Auseinandersetzung in Kindergärten oder Schulen.  Die beschriebenen Erfahrungsberichte machen deutlich, dass Sterben und Tod durchaus Themen für Kinder und Jugendliche sind. Oftmals begegnen sie den Themen mit einer natürlichen, interessierten Art und haben einen anderen Zugang zu den verschiedenen Fragen des Lebens nach dem Tod.  Das Buch soll Impuls und Ermutigung sein,  gemeinsam mit Kindern und Jugendlichen den Weg  des Lebens zu gehen, zu dem auch Sterben, Tod und Trauer gehören.

Abschied von Opa Elefant

Autor/Illustration: Isabel Abedi/ Miriam Cordes

Rezension: Stella Borgmeier

 

Herumtollend spielen die Elefantenkinder an einem warmen Sommertag am Fluss, ziehen das Wasser wie durch einen Strohhalm in ihre Rüssel und besprühen sich gegenseitig damit den Rücken.

 

Der kleinste Elefant Johnny wird aufmerksam auf den Elefantengroßvater, der mit seinem langen, faltigen Rüssel auf sie zukommt. Doch kommt der Opa Elefant heute nicht, um seinen Enkelkindern eine Geschichte zu erzählen: Opa Elefant möchte sich von seinen Enkelkindern  verabschieden, denn er wird sterben.

 

Jonny ist ganz verwirrt: Wie geht sterben? Und wohin geht man, wenn man stirbt?

Geht man in den Himmel oder in die Hölle? Lebt man das ganze Leben noch mal von vorn? Oder wird man in etwas anderes verwandelt? Vielleicht wird man ja auch zu Staub? Oder fliegt die unsichtbare Seele aus dem Körper und lebt weiter?

 

Aufgeregt von Opas Nachricht erzählen sich die Enkelkinder gegenseitig, was für sie der Tod bedeutet, doch können sie sich nicht einigen.

Auch Opa Elefant kann Johnnys  Frage, was denn nun wirklich passiert, wenn man stirbt, nur mit den Worten: Der Tod ist ein großes Geheimnis, niemand weiß, was passiert, wenn man stirbt. Das muss jeder für sich alleine erleben und das ist das Besondere daran, beantworten.

 

„Abschied von Opa Elefant“ ist ein sehr gelungenes Buch. Liebevoll thematisiert es die Vorstellungen von Tod und was danach kommt und erlaubt dabei jedem sich seine eigenen Vorstellungen zu machen. Ich finde das Buch vor allem gelungen, da es so nah an der Wahrheit ist. Niemand weiß was wirklich nach dem Tod kommt und so ist es doch umso schöner, dass jeder sich seine eigenen Vorstellungen bilden darf.

Dieses bescheuerte Herz

Autoren: Daniel Meyer mit Lars Amend

Rezension:  Katrin Beerwerth

 

Lars Amend, Schriftsteller, 35 Jahre und des Lebens ein wenig müde, trifft sich in einem Café mit einer Freundin, die in Hamburg ein Tageshospiz für Kinder und Jugendliche leitet. Die Freundin erzählt ihm von einem fünfzehnjährigen Jungen, der schwer herzkrank geboren worden ist und dessen Leben dem Ende sehr nah ist. Spontan fragt Lars Amend, ob er ihn kennenlernen könnte. Für Daniel, so heißt der Junge, geht mit dieser Begegnung ein Stern auf. So sehr hatte er sich Kumpels gewünscht um mit ihnen coole Dinge unternehmen zu können und nun das. Schnell wird klar, die beiden sind mehr als gute Freunde, sie sind wie Brüder füreinander da und oft fragt man sich, wer eigentlich der Ältere von den beiden ist.

 

Als es Daniel sehr schlecht geht drückt ihm Lars ein Stück Papier und einen Stift in die Hand. „Schreib Deine Wünsche auf!“, so lautet Lars Bitte. „Nichts leichter als das“, denkt sich Daniel und legt los. Und dann geht es auch im wahren Leben los. Gemeinsam machen sich die Zwei daran, die Liste abzuarbeiten. Coole Mädchen treffen, in einem 5 Sterne Hotel schlafen, aber auch die Mama endlich wieder glücklich sehen sind einige seiner Wünsche.

 

Lars und Daniel nehmen uns mit auf ihre Reise und nehmen kein Blatt vor den Mund. Offen und ehrlich schildern sie von ihren Erlebnissen, auch den traurigen und den bedrohlichen, wenn Daniel beispielsweise solche Schmerzen hat, dass er seiner Mama ins Zimmer nebenan nur eine SMS mit der 112 schicken kann, damit sie den Notarzt alarmiert.

 

Manchmal überrascht Daniel den Leser mit tiefgehenden Bemerkungen, manchmal reißt er coole Sprüche und gibt offen zu, dass er endlich ein Mädchen küssen möchte und viel mehr und dann gibt es noch eine sehr kindliche Seite, die scheinbar nicht zu einem 15-jährigen Jungen passt. Mein Eindruck ist, dass Daniel von seinem Leben manchmal überrollt wird und überfordert ist, all die Dinge zu verarbeiten. So „flippt“ er dann mal aus oder zieht sich zurück um mit seinen Kuscheltieren zu knuddeln.

 

Ich möchte Ihnen dieses Buch ans Herz legen. Daniels Mut so unverblümt über sich zu erzählen eröffnet uns ein größeres Verständnis für die Sorgen, Wünsche, Lebensfreude und Ängste schwererkrankter Kinder, auch wenn dies bei jedem Kind natürlich unterschiedliche Nuancen hat.

Trauernde Jugendliche in der Familie

Autorin: Stefanie Witt-Loers

Rezension: Königskinder

 

Trauernde Jugendliche zu begleiten stellt uns vor besondere Ansprüche, da die Pubertät eine besondere Lebensphase ist. Jugendliche sind auf der Suche nach ihrem Platz im Leben und reiben sich in dieser Zeit häufig mit uns Erwachsenen. Sie lösen sich von ihrem Zuhause und orientieren sich sehr stark in ihrer Peergroup, welche mit dem Thema Sterben und Tod überfordert sein kann.

 

Die Jugendlichen versuchen ihre vielleicht auch trauernden Eltern oft zu schützen, weil sie diese als sehr belastet erleben. So kann es sein, dass Jugendliche wenig Begleitung in dieser schwierigen Zeit erfahren und mit ihren Gedanken und Gefühlen alleine sind. Und dies in einer Zeit, in der sie oft starke Gefühlsschwankungen erleben und mit deren Intensität sie überfordert sein können. Aus Angst, die starken Gefühle der Trauer nicht beherrschen zu können, kann es sein, dass diese verdrängt werden.

 

Die Autorin Stefanie Witt-Loers, welche als Trauerbegleiterin in unterschiedlichen Kontexten auf einen umfangreichen Erfahrungsschatz zurückgreifen kann, bietet uns in ihrem Buch viele praktische Tipps wie wir Jugendliche bei einem Verlust begleiten können. Zunächst aber gibt sie uns einen Einblick in die besondere Lebenssituation von Jugendlichen und beschreibt jugendliche Trauerprozesse. Aber auch trauernde Jugendliche selbst kommen zu Wort und lassen uns teil an ihrem Erleben. Ebenso erzählen trauernde Eltern von ihren Erfahrungen. Auch besondere Situationen der Trauer  wie Trauer nach einem plötzlichen Tod oder nach Suizid werden dargestellt.

 

Mir hat das Buch auf Grund seiner guten Lesbarkeit und seiner vielen wertvollen Tipps sehr gut gefallen. Ich kann es uneingeschränkt empfehlen.

Wie lange dauert Traurigsein?

Autorin: Maria Farm

Rezension: Maike Biermann

 

Wie lange dauert Traurigsein? Ein Buch für alle, die jemanden verloren haben-dieses Buch wurde von der Psychologin Maria Farm geschrieben und ist 2014 im Oetinger Verlag erschienen.

 

Die Autorin richtet sich mit ihrem Buch in erster Linie an trauernde Jugendliche im Alter von 9-11 Jahren. Sie berichtet dabei immer wieder von ihren Erfahrungen, die sie mit Jugendlichen in ihrer Praxis als Therapeutin gemacht hat und greift Beispiele auf.

 

Das Buch ist in mehreren Teilen aufgebaut und beschreibt im ersten Teil, welche Gefühle in der Trauer um einen verstorben Menschen möglich sind. Gefühle in dieser Zeit sind „gestreift“ und dürfen kommen und gehen. Irgendwann werden die helleren Streifen immer breiter. In einem zweiten Teil geht die Autorin ausführlich darauf ein, was der Tod ist und welche Situationen Jugendliche in Trauer versetzen können. Sei es beispielsweise durch den Tod eines Elternteils, eines Geschwisterkindes, von Freunden oder auch durch Suizid im Umfeld. Sie spricht die Jugendlichen immer gezielt an und versteht es sehr gut, die Sprache der Jugendlichen aufzugreifen. In einem dritten Teil beschreibt sie die 5 Trauerphasen und macht diese an gut nachvollziehbaren und verständlichen Beispielen für Jugendliche sehr greifbar. Immer wieder geht sie dabei auf die Gefühlswelt ein und hilft zu verstehen, was Trauer eigentlich ist. Trauer geschieht in Wellen, manchmal trägt sie nach vorn und im nächsten Moment zieht der Sog wieder ein Stück zurück. In einem weiteren Teil geht die Autorin auf die Zeit ein, in der sich die Situation etwas stabilisiert und die Abstände der tiefen Trauer immer größer werden. Sie zeigt die Hoffnung auf, die es auf dem Weg der Trauer gibt. Die Erinnerung an den verstorbenen Menschen wird immer wehtun aber irgendwann wird es möglich sein schmerzhafte Gedanken schneller weiterziehen zu lassen. Weiterhin gibt sie durchgängig gute und hilfreiche Tipps, was Jugendliche tun können, um sich in so einer schwierigen Situation nicht isoliert zu fühlen, sowie viele praktische Tipps zur Aufarbeitung des Todes eines geliebten Menschen. Die Autorin betont, wie wichtig es ist, sich Erwachsenen anzuvertrauen und nennt darüber hinaus  wichtige Adressen, an die Jugendliche sich wenden können, um schnell Hilfe zu  bekommen.

 

Auch für die Eltern der betroffenen Jugendlichen ist dieses Buch eine sehr gute und hilfreiche Lektüre und kann vielleicht als Grundstein für ein gemeinsames Gespräch mit seinem Kind genutzt werden.

 

Ein rundum gelungenes Buch, das mich aufgrund der sehr treffenden Ansprache der Zielgruppe stark fasziniert hat und einen wichtigen Beitrag in der Arbeit mit trauernden Jugendlichen leistet.

Ich. Joshua. Mein Leben

Autorin: Marion Getz

Rezension: Königskinder

 

Joshua erkrankt als Kleinkind an einer Leukodystrophie, welche nicht genauer klassifiziert werden kann. Von einem Tag auf den anderen bestimmt Joshuas Lebenswille und Lebensfreude neben den sich wiederholenden Kämpfen mit Ärzten, Therapeuten, Mitmenschen und Institutionen den Alltag der Familie. Die weitläufige Meinung, eine Leukodystrophie gehe automatisch mit einer geistigen Retardierung des erkrankten Kindes einher, macht diesen Alltag schwer, denn Joshua kann bis zu seinem Tod im Alter von 13 Jahren kommunizieren. Über eine kleine Bewegung des Kopfes, über Augenkontakt und mit Hilfe eines Sprachcomputers  teilt sich Joshua seiner Welt mit.

 

Und er hat viel mitzuteilen, denn er hat ganz klare Vorstellungen von seinem Leben.  (diesen Satz kann man ja vielleicht hervorheben).

 

Zunehmend geht die Familie ihren eigenen Weg, vertraut Joshua und seiner Intuition und folgt ihm: Wozu sich immer wieder quälenden Untersuchungen und Diskussionen aussetzten, wenn sich keiner Zeit nimmt Joshua zuzuhören? So wird die Familie beispielsweise immer wieder unter Druck gesetzt, Joshua eine Sonde zu legen, aber Joshua will nicht und er kommt tatsächlich bis zu seinem Tod ohne Sonde aus.

 

Joshuas größter Wunsch ist es, den Kindergarten zu besuchen, zur Schule zu gehen, am Leben teilzunehmen. Es  bedarf eines Kraftaktes, Institutionen zu finden, die Joshua willkommen heißen, die nicht über seinen Kopf hinwegreden, sondern mit ihm reden, anerkennen, dass er nicht geistig behindert ist und sehr viel in ihm steckt. Joshuas Hartnäckigkeit zahlt sich aus, die Kindergartenzeit wird die schönste seines Lebens. (den Satz könnte man vielleicht auch hervorheben). Mit seiner Phantasie begeistert er alle und entwickelt die tollsten Spielideen.

 

Dieses Buch ist entstanden, weil Joshua es wollte. Die Titelseite seines Buches gestaltete er drei Wochen vor seinem Tod. Seiner Mama gab er den Auftrag über sein Leben zu schreiben. Und nicht nur über seins, denn Joshua machte sich oft für die erkrankten Kinder insgesamt stark. Seine Botschaft ist, auf die Kinder selbst zu hören, diese ernst zu nehmen und nicht mit vorgefertigten Meinungen und Lehrwerken abzuhandeln.

 

Joshua wollte, dass sein Buch sein buntes, oft auch verrücktes und mutiges Leben widerspiegelt. Aber auch sein Sterben und sein Tod nehmen viel Platz ein. Sein Sterben, welches von vielen qualvollen Symptomen begleitet wird und der Familie unendlich viel Kraft abringt. Joshuas Mama äußert am Ende ihres Buches die Sorge, dass das Sterben zu stark im Vordergrund steht und Joshuas Lebensmut in den Hintergrund rückt. Sein Sterben rührte mich zu Tränen, aber Joshuas Neugierde auf das Leben und seine Botschaft, auf die Kinder zu hören, sind die Essenz des Buches.

 

Leider hat das Buch ein ungünstiges Format und es liegt zum Lesen nicht gut in der Hand. Dies liegt vielleicht dran, dass das Buch erst bei Bestellung gedruckt wird, da Marion Getz niemanden gefunden hat, der bereit war Joshuas Biographie zu verlegen.

Der Baum der Erinnerungen

Autorin: Britta Teckentrup

Rezension: Königskinder

 

In diesem Buch wird die Geschichte von einem kleinen roten Fuchs erzählt, der am Ende seines Lebens angekommen ist und Abschied nimmt. Er legt sich in den Schnee und stirbt. Seine Freunde, die übrigen Waldbewohner sind sehr traurig und versammeln sich im Wald auf einer Lichtung um den Fuchs herum. Einer von Ihnen macht den Anfang, durchbricht die stille Traurigkeit und erzählt von seinen Erinnerungen über den Fuchs. Viele andere schließen sich und berichten über das, was sie mit dem Fuchs im Leben verbunden hat. Vor ihren Augen und im Herzen werden die Bilder des Fuchses lebendig und um den Fuchs herum entsteht eine muntere, herzenswarme Erzählrunde, in der auch gelacht wird und Schönes ausgetauscht wird. An der Stelle, wo der Fuchs gelegen hat, sprießt nach kurzer Zeit ein kleines orangenes Pflänzchen aus dem Boden hervor. Während die Waldbewohner weiter ihre Erinnerungen austauschen, wächst der Baum in ihrer Mitte immer weiter und wird schließlich zu einem wunderschönen riesigen Baum, der allen Tieren Schutz bietet. Es ist der Baum der Erinnerungen und der kleine Fuchs bleibt durch die Erinnerungen für seine Freunde immer lebendig.

 

Dies ist eine wunderschöne Geschichte über das Leben, das Sterben und den Abschied. Mit einfachen und klaren Worten und Bildern wird beschrieben, was hilfreich und tröstlich ist, wenn wir von jemandem Abschied nehmen müssen, den wir lieben. Über den Verstorbenen zu sprechen, hilft Erinnerungen lebendig werden zu lassen. Es hat mich sofort an das so vielen Menschen vertraute Kaffeetrinken nach einer Beerdigung erinnert. Wie hilfreich  ist es doch,  in diesen schwierigen Momenten solch ein vertrautes Ritual zu haben.

 

Dieses Buch ist sowohl für Kinder als auch für  Erwachsene empfehlenswert und hilfreich, die sich in solch einer Situation des Abschieds  befinden. Ein schönes und einfühlsames Buch!

Es sind die Wolken, die die Sterne bewegen

Autor: Torun Lian
Rezension: Anke Konermann

 

Dieses Buch ist eine Geschichte über den Tod, die Trauer, das Leben und die Freundschaft. Eine Geschichte, die einem deutlich macht wie sehr der Tod eines nahestehenden Menschen das ganze Leben einer Familie verändern kann. Maria ist 11 Jahre alt als sie durch eine Krebserkrankung ihren neunjährigen Bruder Pilten verliert. Seit ihr Bruder tot ist, ist nichts mehr so wie es war.

Die ganze Familie hat sich verändert. Ihre Eltern reden kaum noch mit ihr und ihre Mutter fällt in eine tiefe Depression. Maria gibt sich die Schuld am Zustand ihrer Mutter. Sie wird immer schweigsamer und fühlt sich völlig allein auf der Welt. Sie hätte so gerne jemanden zum Reden!

Als sie die Sommerferien bei den Großeltern verbringt, lernt sie Jakob kennen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten, hervorgerufen durch Marias große Verunsicherung, wird er ihr Freund. Ein Freund, der ihr zuhört und sie versteht. Ein Freund, der Maria zeigt, dass das Leben trotz allem noch Spaß machen kann. Ein Freund, der es schafft, die Isolation der Familie aufzubrechen, so dass diese lernen kann mit der Trauer zu leben und einen neuen Anfang zu finden.

Dieses wunderbare Buch ist sehr lebensnah geschrieben und ermöglicht auch Erwachsenen sich in die Gefühlswelt eines Kindes nach einem schweren Verlust hineinzuversetzen. Es werden keine Altersangaben benannt, meiner Meinung nach zum Vorlesen ab 8 Jahren, zum selber lesen ab 10 Jahren.

Dieses Buch hat mich zutiefst berührt. Es ist eine wundervolle Geschichte, die ich nicht vergessen werde. Die Autorin schreibt so fesselnd, intensiv und lebensnah, dass ich mich von der ersten bis zur letzten Seite mit Maria identifizieren und all ihre Gefühle nachempfinden konnte. Ich glaube, jeder der dieses Buch liest, wird sich anschließend bewusst, wie schön es ist und wie dankbar man sein muss, Menschen um sich zu haben, denen man alles anvertrauen kann und mit denen man lachen und weinen kann. 

Für mich wird in diesem Buch ganz besonders deutlich wie wichtig es ist, Menschen und insbesondere Kinder in ihrer Trauer nicht allein zu lassen.

Lukas ist wie Lukas

Autor: Dagmar H. Mueller

Rezension: Nina Sautmann

Bilderbuch für Kinder bis 6 Jahre

 

Diese Geschichte handelt von Tord und seinem großen Bruder Lukas. Die beiden mögen einander sehr und spielen gerne zusammen. Doch Lukas ist nicht wie all die anderen Kinder: Er hat das Down-Syndrom. Eines Tages möchten Tord und Lukas wie so häufig zusammen Fußball spielen, doch auf der Wiese, auf der sie immer spielen, sind schon andere Kinder. Weil Lukas anders ist, möchten sie nicht, dass er mitspielt, was Lukas sehr traurig macht. Tord hingegen darf mitspielen. Als er jedoch den Ball ins Aus schießt, wird eines der anderen Kinder wütend und schubst ihn. Lukas verteidigt Tord sofort. Da wird auch Tord wütend: „Und warum darf Lukas nicht auch mitspielen?“. Die anderen Kinder stört, dass Lukas nicht so ist wie sie. Die Kinder beginnen zu streiten, aber Tord und Lukas erkennen, dass Lukas einfach besonders ist. Lukas ist eben wie Lukas und das ist auch gut so! So ziehen sich die beiden selbstbewusst aus dem Streit zurück und lassen die anderen Kinder staunend auf der Wiese stehen.

 

„Lukas ist wie Lukas“ ist  meiner Meinung nach ein rührendes Bilderbuch, welches die besondere Beziehung von Geschwistern, von denen eines mit einem Handicap lebt, beschreibt. Eine solche Situation mag für alle Beteiligten nicht immer einfach sein, doch dieses Buch kann besonders jungen Geschwistern von einem Kind mit Handicap zeigen, wie wichtig es ist zusammenzuhalten und einander so zu akzeptieren, wie man ist. Große, aussagekräftige Bilder von Susanne Szesny unterstreichen die Geschichte, sodass dieses Bilderbuch einen durch und durch positiven Eindruck bei mir hinterlässt.

Wirklich empfehlenswert!

Kinder und der Tod - Traurig sein ist dazu da, um wider fröhlich zu werden

Autor und Produzent: Kurt Gerwig

Rezension: Königskinder

 

DVD aus der Reihe der „Pädagogik-Walk“

 

Kurt Gerwig interviewt in dieser DVD Reihe während eines Spaziergangs Fachkräfte zu bestimmten Themen. Bei diesem Pädagogik Walk ist er mit Margit Franz, Publizistin und Fachbuchautorin, auf dem Darmstädter Waldfriedhof unterwegs. Margit Franz bringt als ehemalige Kindergartenleitung viel praktische Erfahrung mit wie Kinder dem Thema Trauer, Tod und Sterben begegnen. Zu diesem Thema ist sie auch als Bildungsreferentin aktiv. Kurt Gerwig ist seit über 28 Jahren Filmemacher. Als ehemaliger Diplom Sozialpädagoge mit 10jähriger Berufserfahrung im Kinder- und Jugendbereich eignet er sich besonders um pädagogische Themen im Interview aufzuarbeiten.

 

Knapp 50 Minuten dauert die DVD und deckt ein ganzes Spektrum an Fragen ab. Wir erfahren zunächst einmal viel Grundsätzliches, z.B. wie Kinder den Tod verarbeiten, welche Vorstellung sie vom Tod haben und wie sie überhaupt trauern. Aber auch auf speziellere Fragen gibt uns Margit Franz eine Antwort. So erklärt sie, was man bei Kindern machen soll, die nicht über den Tod reden wollen oder was man machen kann, wenn ein Kind überfordert ist.

 

Meiner Meinung nach ist die DVD ein guter Einstieg in das Thema und sowohl für Eltern als auch für Erzieherinnen geeignet sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das Interview bestärkt einen, auch dieses schwere Thema mit Kindern zu besprechen und Kinder aktiv zu begleiten. Es fordert jeden einzelnen dazu auf, seine eigene Einstellung zu reflektieren; die wichtigste Voraussetzung um Kinder bei diesem Thema achtsam zu begleiten. Gerade auch für Teams ist es ein gutes Medium, um sich miteinander auseinanderzusetzen, wie die Einrichtung mit dem Thema umgeht. Es wird deutlich, dass Kinder viele Ressourcen in sich tragen um auch schwierige Situationen in ihrem Leben zu meistern und an ihnen zu wachsen, wenn wir als Begleiter für das Kind greifbar und verlässlich sind, „damit Kinder wieder fröhlich werden“.

Anders leben, anders sterben – Gespräche mit Menschen mit geistiger Behinderung über Sterben, Tod und Trauer

Autorin: Evelyn Franke

Rezension: Nina Sautmann

Sachbuch

 

Mit Menschen mit geistiger Behinderung über Themen wie Sterben und Tod sprechen? Evelyn Franke sagt: Unbedingt! Denn auch Menschen mit geistiger Behinderung werden mit diesen Themen konfrontiert, sei es durch ihre eigene Krankheit oder durch die Krankheit und das Sterben von Menschen aus ihrem sozialen Umfeld. Auch sie haben Fragen an das Lebensende, die nicht unbeantwortet bleiben sollten.

 

Dieses Buch soll vor allem Angehörige und Begleiter von Menschen mit einer geistigen Behinderung dazu motivieren und befähigen, Themen wie Streben und Tod ihnen gegenüber anzusprechen. Aufgrund intellektueller Einschränkungen sind Menschen mit geistiger Behinderung nämlich häufig auf ihre Angehörigen und Begleiter angewiesen, sodass diese häufig ihre einzigen Ansprechpartner sind. „Anders leben, anders sterben“ thematisiert die Vorstellungen von Leben und Tod von Menschen mit einer geistigen Behinderung, ihre Sprache und ihr Sprachverständnis und veranschaulicht all dies mittels Beispielen. Zudem beinhaltet das Buch wertvolle Praxistipps zur Umsetzung von Gesprächen mit Menschen mit einer geistigen Behinderung über Sterben, Tod und Trauer.

 

Dieses Buch kann für diejenigen, die mit Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten und Fortbildungen anbieten möchten durchaus wertvoll sein, denn ein großer Teil dieses Werks beinhaltet Tipps für die Vorbereitung einer Fortbildung zum oben genannten Thema. Für mich als Ehrenamtliche war dieser Teil eher uninteressant. Den übrigen Teil empfand ich dennoch als lesenswert, besonders wenn man in engem Kontakt zu (einem) Menschen mit geistiger Behinderung steht.

Wie der kleine rosa Elefant einmal sehr traurig war und wie es ihm wieder gut ging

Autorin: Monika Weitze

Rezension: Maike Biermann

 

Die Geschichte handelt von einem kleinen Elefanten namens Benno, der eines Tages seinen allerbesten Freund Freddi verabschieden muss, da dieser mit seiner Herde in eine andere Richtung weiterzieht. Der Abschied macht den kleinen Elefanten unendlich traurig, so dass es ihm schwer fällt zu spielen oder zu essen. Immer wieder muss er weinen, doch von niemandem wird er in seinem Gefühl der Traurigkeit so recht aufgefangen und Ratschläge wie: „Das ist doch nicht so schlimm, das passiert jedem einmal“ machen ihn nur noch trauriger. Er macht sich daraufhin auf den Weg zu der Eule Heureka, die ihm eine Anleitung zum Traurig Sein gibt und ihm signalisiert, dass er mit all seinen Gefühlen so in Ordnung ist. Sie erklärt ihm wie er mit seiner Traurigkeit umgehen kann und gibt ihm vier kluge Tipps: 1. Weine 2. Erzähle über deine Traurigkeit 3. Schaff deinem Freund einen Platz in deinem Herzen 4. Nimm dir viel Zeit. Der kleine Elefant geht nach Hause, setzt die Dinge, die ihm geraten wurden um und kann eines Tages auch wieder lachen. Dieses Buch ist ein wundervoll einfühlsames und weises  Buch über die Beschreibung des Trauerprozesses, bzw. möglicher Trauerphasen.

 

Auf verständliche Art und Weise wird Kindern hier vermittelt worauf es bei der Trauer ankommt, nämlich die Kanalisierung der Traurigkeit in Tränen, um das Gefühl der Trauer zuzulassen, die Kommunikation (sprich mit anderen über deine Traurigkeit), um getröstet zu werden und gib dem Verlorenen einen neuen Platz, um wieder am Leben teilhaben zu können. Diese Schritte machen es dem Elefanten in dieser Geschichte möglich, sich  neu zu orientieren und wieder mit anderen zu spielen.

 

Es ist ein hoffnungsvolles Buch, das dem Leser eine gute Möglichkeit zur Identifikation gibt und einem das Gefühl vermittelt, in seinem Trauerprozess verstanden zu werden. Wundervolle, aussagekräftige Illustrationen von Eric Battut unterstützen den Text. Sowohl für Kinder als auch Erwachsene ist dieses Buch ein hilfreicher Begleiter bei Abschieds- und Trauerprozessen! Ich selber lese es immer wieder gerne und entdecke darin immer wieder etwas Neues für mich. Ich kann es eigentlich nur jedem ans Herz legen, dieses Buch einmal zu lesen. Gerne verwenden wir es auch in der Schulung für unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter, um anhand dessen die Trauerphasen zu verdeutlichen. Ein wirklich ausgezeichnetes Bilderbuch!

 

„Was ist das?“, fragt der Frosch

Autor: Max Velthuijs

Rezension: Königskinder

Bilderbuch für die Kleinsten

 

Dieses Bilderbuch eignet sich, kleinen Kindern ein erstes Gespräch über den Tod anzubieten. Helle, großformatige Bilder und  ein Text, der sich auf das Wesentliche beschränkt, bringen die Geschichte auf den Punkt.

 

Schwein und Frosch finden eine Amsel. Sie sind sich unsicher, was mit ihr los ist. Der Hase erkennt die Situation und gemeinsam mit der Ente beerdigen sie die Amsel an einem schönen Platz.

 

Die Gefühle der Tiere wie Unsicherheit, Ratlosigkeit, Betroffenheit, Traurigkeit, aber auch Lebensfreude spiegeln sich in den Gesichtern der Tiere und bieten Kindern die Möglichkeit eigene Gefühle zu benennen. Und vor allen Dingen spiegelt die Geschichte wieder, dass Kinder anders trauern als wir Erwachsenen. Sie sind in der Lage, in einem Moment zutiefst traurig zu sein um dann in dem nächsten Moment sich wieder dem Leben zuzuwenden. So spielen die vier Freunde nach der Beerdigung und einem Moment des Innehaltens zusammen Fangen, sind ausgelassen und lachen.

Über das Sterben - Was wir wissen - Was wir tun können - Wie wir uns darauf einstellen

Autor: Gian Domenico Borasio

Rezension: Königskinder

 

„Was uns allen zu wünschen ist, ist ein nüchterner und gelassener Blick auf die eigene Endlichkeit. Dies erfordert eine ruhige und wiederholte Reflexion, am besten im Dialog mit Menschen, die uns am nächsten stehen. Das passiert leider im Leben eher selten, und wenn, dann oft sehr spät. Nehmen wir uns die Zeit dafür.“

 

Gian Domenico Borasio, geb. 1962 in Italien, war Mitbegründer des Interdisziplinären Zentrums für Palliativmedizin in München und ist seit 2011 Inhaber des Lehrstuhls für Palliativmedizin an der Universität in Lausanne. Systematisch, fachkundig und einfühlsam behandelt er das Thema Sterben in einer auch für medizinische Laien verständlichen Sprache.

 

In den ersten Kapiteln schildert Borasio das, was wir über das Sterben wissen – die biologischen Fakten, die Orte, an denen gestorben wird (oder die wir uns zum Sterben wünschen) und die vorhandenen Strukturen der Sterbebegleitung.

 

Dann wendet er sich dem zu, was für ihn die grundsätzliche Frage in der Begleitung Sterbender ist:

 

„Was brauchen die Menschen am Lebensende?“

 

Ausführlich und durch Beispiele aus seiner langjährigen Tätigkeit bereichert beschreibt er die vier „Säulen“ jeder Patientenbegleitung: Kommunikation – Medizinische Therapie – Psychosoziale Betreuung – Spirituelle Begleitung. Dabei kommt der Kommunikation eine Schlüsselrolle zu (Kommunikation zwischen Arzt/Pflegenden und Patient, Kommunikation bei eingeschränktem Bewusstsein, Kommunikation innerhalb der Familie). Wie sie gelingen kann, dazu gibt er hilfreiche Tipps.

 

Auch zu anderen Problemen am Lebensende nimmt Borasio Stellung und gibt konkrete Empfehlungen, u.a. zu Ernährung und Flüssigkeit, Atemnot oder Schmerzen.

 

Ein Kapitel ist dem Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung gewidmet. Auch hier gibt er dem Leser praktische Hinweise zur Umsetzung.

 

Hauptziel des Buches, so Borasio, ist es, den Menschen ein Stück weit die Angst vor dem Sterben zu nehmen. Dies gelingt nicht allein durch die Fülle an Informationen, sondern vor allem durch den ruhigen, warmen Ton. Auch als Hörbuch, vom Autor selbst gelesen, empfiehlt sich das Buch, das, wie ich finde, ein wichtiges Buch für alle ist, die sich für sich selbst, in der Familie, im Beruf oder im Ehrenamt mit dem Sterben auseinandersetzen möchten. Zuletzt noch einmal ein Zitat:

 

„Dieses Bewusstsein um die eigene Endlichkeit ist das große Geschenk, das allen in der Palliativ- und Hospizarbeit Tätigen zur Verfügung steht. Der entscheidende Vorteil unserer Arbeit ist, das wir die einmalige Chance haben, von unseren sterbenden Patienten das Leben zu Lernen.“

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Autor: John Green

Rezension: Königskinder

 

Es gibt längere und kürze Unendlichkeiten. In dem Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ erzählt John Green die Geschichte einer kurzen Unendlichkeit.

 

Der Leser taucht ein in die Welt von Hazel Grace Lancester: Die 16jährige Hazel ist an Krebs erkrankt und legt ihre Wege nur in Begleitung ihres Sauerstoffwagens Philipp zurück. Das, was sie am wenigsten will ist Mitleid, sarkastisch spricht sie vom Krebsbonus und die belehrenden Weisheiten über das Leben und den Tod ist sie längst leid. Hazel hat nicht resigniert. Sie macht sich ihre eigenen Gedanken über das Universum, die Rolle der Menschen und ihren Platz darin.

 

Ihre Eltern, unermüdlich auf das Wohlergehen ihrer Tochter bedacht, schicken sie eines Tages in eine Selbsthilfegruppe für an Krebs erkrankte Jugendliche. Hier – im buchstäblichen Herzen Jesus – verbringt Hazel nur sehr widerwillig Zeit mit anderen Betroffenen.

 

Lediglich mit Isaac verbindet sie etwas: Seufzen, Kopfschütteln, das gemeinsame Warten auf das Ende der deprimierenden Gruppenveranstaltung. Doch als eines Tages August Waters im Stuhlkreis der Gruppe erscheint, ändern sich die Dinge.

 

Neben der Dauerlektüre ihres Lieblingsbuches „Ein Herrschaftliches Leiden“ bekommen immer mehr andere Ereignisse Platz in ihrem Leben. Neben „Ein Herrschaftliches Leiden“, wohl bemerkt, denn Hazel und August begeben sich auf die Suche nach dem mysteriösen Ende des Buches, welches mitten im Satz endet. Auf 258 Seiten erlebt der Leser gemeinsam mit Hazel, August und Isaac die Höhen und Tiefen eines etwas anderen Teenagerlebens. Zwischen den Seiten wird viel gelacht, philosophiert, gefühlt, geliebt, Computer gespielt, gelesen – und vor allem: Es wird gelebt. Denn „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist keine Geschichte vom Krebs, Krebsbefunden und Krebstherapien, auch wenn diese eine grundlegende Rolle für alle Beteiligten spielen. Es geht nicht um das ungelebte Leben, um hätte-wäre-wenn-Gespräche sondern das Jetzt und Hier. Es geht um unangezündete Zigaretten, um Basketball, um Amsterdam, das Universum, die Angst vorm Vergessen werden – und eben um längere und kürzere Unendlichkeiten.

 

Der Einblick in das Leben von Hazel und allem, was sie umgibt, lässt den Leser mitfühlen, lachen und weinen. Hazels Art und Weise durch die Welt zu gehen, trotz des unvermeidlichen Endes durch ihre Krankheit, ermutigen und regen zum Nachdenken an, zeigen Möglichkeiten, Chancen, kleine Wunder auf – aber auch Grenzen und Schmerz. Denn „das ist das Problem mit dem Schmerz“, sagt August Waters, „Er will gehört werden.“ Die Geschichte von Hazel und allen Menschen, denen sie begegnet, ist vom Autor erfunden – doch „sich zu fragen, ob eine Geschichte auf Ereignissen in der Wirklichkeit beruht, kommt weder einem Roman noch seinen Lesern zugute. Derartige Versuche untergraben die Idee, dass erfundenen Geschichten Bedeutung haben, eine Idee, die mehr oder weniger die Grundlage unserer Spezies ist“. Dieser Vorbemerkung des Autors John Green in seinem Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist nichts mehr hinzuzufügen.

Gegen die Angst

Autor: Regine Stokke

Rezension: Königskinder

für Jugendliche

 

Die Autorin Regine erfährt mit 17 Jahren, dass sie eine schwere Form einer Leukämie hat. Schon schnell erklären ihr die Ärzte, dass sie unheilbar erkrankt ist, aber Regine ist eine Kämpferin und sie gibt nicht auf. In ihrer Auseinandersetzung mit der Krankheit fängt sie an zu bloggen (ein Blog ist ein öffentliches Tagebuch im Internet). Ihr Blog  wird über einen langen Zeitraum der zweithäufigst besuchte Blog in ihrer Heimat Norwegen. Und nicht nur Jugendliche, nein Menschen jeder Altersschicht nehmen Anteil und schreiben Regine. In dem Buch werden ihre Nachrichten und auch ausgewählte Kommentare dargestellt.

 

Regine denkt sehr sensibel und weitsichtig über ihr Leben nach. Sie probiert trotz aller Rückschläge, die sie zunehmend erleidet, das Leben zu genießen. Ihr liebstes Hobby ist mir ihrer besten Freundin Eli Ann Festivals zu besuchen, ihr Herz schlägt für Heavy Metal. Aber auch die Kunst bedeutet ihr sehr viel und so streift sie durch die Natur und fotografiert. Ihre Fotos finden weiten Anklang und werden sogar ausgestellt. Auch beim Malen kann sie abschalten und Energie tanken. Ihre Fotos und Bilder sind sehr beeindruckend und runden das Buch ab.

 

Regine lässt uns Anteilnehmen in ihrer Auseinandersetzung und ihr Ringen mit Leben und Tod. Ihr enges Familienband, ihre Freundschaften und auch die vielen aufmunternden und teilnehmenden Kommentare aus ihrer Bloggergemeinde können sie immer wieder auffangen.

 

Leider verschlimmert sich ihr Gesundheitszustand zunehmend, so dass Regine und ihre Familie 2009 das Weihnachtsfest vier Wochen vorverlegen. Am 03.12. verstirbt Regine zu Hause im Beisein ihrer Familie und ihrer Katze. Das Buch schließt mit „letzten“ Grüßen der Familie und der engsten FreundInnen ab. 9000 Leser senden Regine einen letzten Gruß.

 

Regine bewegte durch ihren Blog die Menschen und brachte sie dazu, über das Leben nachzudenken und sich für kranke Menschen zu engagieren (bspw. nahm die Blut- und Knochenmarkspende  Dank Regines Aufrufen zu).

 

Mich persönlich hat ihr Buch sehr berührt und nachdenklich gestimmt. Regine ist eine junge Frau gewesen, vor der ich den Hut ziehe und die noch heute  diese Welt bereichert. Danke, Regine!

Mit dem Herzen eines anderen leben

Autorin: Elisabeth Wellendorf
Rezension: Katrin Beerwerth

 

Elisabeth Wellendorf arbeitete als Psychotherapeutin neun Jahre lang in einer Kinderklinik und schwerpunktmäßig TransplantationspatientInnen begleitet. Sie erzählt, wie sie sich selbst diesem Thema annähert, welches zunächst große Bedenken in ihr auslöste. Viel Raum gibt sie den TransplantationspatientInnen selbst. Sie erzählt von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die sie auf dem Weg der Transplantation begleitet hat. Ihre Beispiele geben einen umfassenden Einblick, wie unterschiedlich Menschen mit dem Angebot der Transplantation umgehen. So äußert ein junger Mann seine Ängste, ob er nach einer Ablehnung der Transplantation nicht links liegen gelassen werden würde. Eine andere Patientin fühlt sich der Transplantation verpflichtet, um ihre Mutter nicht zu enttäuschen.

 

Eine junge Frau kann es sich nicht vorstellen, mit den Organen eines toten Menschen zu leben. Natürlich erfahren wir auch von PatientInnen, die für sich ein klares Ja formulieren können und sich voller Hoffnung und Zielstrebigkeit auf die Transplantation vorbereiten.

 

Der Therapeutin ist es wichtig, den PatientInnen Zeit für diese wichtige Entscheidung einzuräumen und keinen Druck auszuüben, welches im Klinikalltag und bei der schlechten gesundheitlichen Konstitution der PatientInnen nicht leicht ist. Ihren Beobachtungen nach hat die Motivation eine enorme Auswirkung auf den Heilungsprozess nach der Transplantation. Gerade die Zeit nach der Transplantation kann für PatientInnen eine große Herausforderung werden, wenn beispiels-weise Komplikationen auftreten. Und auch bei einer erfolgreichen Transplantation kann es sein, dass der Patient die Glückseligkeit seiner Umwelt nicht direkt teilen kann. Insbesondere die Zeit nach der Transplantation war für die Therapeutin häufig eine schwierige Zeit, wenn sie über die Ärzte von dem Seelenleid ihrer PatientInnen hörte und sie aufgrund der Sterilität nicht besuchen durfte und entsprechend nicht begleiten konnte. Hier erlebte sie einen Bruch in der Begleitung der ihr anvertrauten Menschen. Manch ein Patient fühlte sich auf der Intensivstation nur noch auf Zahlen und Werte reduziert. Eindringlich appelliert Elisabeth Wellendorf daran, nie den Mensch aus dem Blick zu verlieren und entsprechend achtsam im Kontakt mit ihm zu sein.

 

Weiterhin erhalten wir Einblicke, wie unterschiedlich die PatientInnen nach der Transplantation das Erlebte verarbeiten und ihr neues Leben gestalten. So erfahren wir, welche wichtige Rolle der Spender in der Gedanken- und Gefühlswelt des Transplantierten einnehmen kann. Wir erfahren auch, wie ein Familiensystem durcheinander gewirbelt wird, wenn nach der erfolgreichen Transplantation auf einmal die Zeit für die aufwendige Pflege und Begleitung des erkrankten Kindes wegfällt und Freiräume für andere Familienmitglieder entstehen. Auch diese Veränderungen können eine psychotherapeutische Begleitung der Familie erforderlich machen. Abrundend geht Elisabeth Wellendorf auf die Hirntoddefinition und das Transplantationsgesetz ein.

 

Die Autorin schreibt sehr persönlich und lässt uns an ihrer Freude, ihren Hoffnungen, Ängsten, Bedenken und Zweifeln teilhaben. Dies ermöglicht eine umfassende Auseinandersetzung mit dem Thema. Manch einen Leser mögen die Berichte vielleicht erschrecken, denn die Autorin berichtet verstärkt von PatientInnen, die mit sich und der Transplantation auf die eine oder andere Wiese gerungen haben. Dies verdeutlicht, wie wichtig eine verlässliche Begleitung auch über die Transplantation hinaus sein kann, um dieses einschneidende Erlebnis verarbeiten zu können.

Lotta Wundertüte

Autor: Sandra Roth
Rezension: Katrin Beerwerth

 

Kurz habe ich überlegt, ob es überhaupt noch Sinn macht, dieses Buch vorzustellen, da es in den Bestsellerlisten vertreten war. Ich selbst bin erst kürzlich durch eine Empfehlung auf das Buch gestoßen, und da ich es sehr empfehlenswert finde, nutze ich die Möglichkeit abseits von Bestsellerlisten auf „Lotta Wundertüte“ aufmerksam zu machen.

 

Sandra Roth erfährt im neunten Monat, dass das Gehirn ihres ungeborenen Kindes nicht ausreichend mit Blut versorgt wird. Welche Auswirkungen dies auf die ungeborene Lotta und damit auf das Leben der gesamten Familie haben wird, kann niemand sagen. Sandra Roth und ihrem Mann Harry wird die Möglichkeit angeboten, das Kind abzutreiben, aber Lotta gehört schon zur Familie, wird von allen geliebt. Zweifel, ob sie es schaffen mit einer „Lotta Wundertüte“ zu leben sind da, aber die Vorstellung ihr Kind zu töten, können sie nicht ertragen.

 

Von einem Tag auf den anderen ist die Familie im Krankenhausalltag gefangen. Und auch als Lotta auf die Welt kommt, bleibt sie eine Wundertüte. Neue, unbekannte Themen nehmen einen immer größeren Raum im Leben der Familie ein (spastische Cerebralparese, Embolisation, Diazepam, Inklusion, …). Die Familie ringt darum in diesem Ausnahmezustand Boden unter den Füßen zu gewinnen und erlebt ein Auf und Ab.

 

Sandra Roth lässt uns teilhaben, wie die Familie begreift, was es heißt ein schwerstmehrfach-behindertes Kind zu haben. Sie erzählt davon, wie schwierig die Begegnung mit anderen Menschen ist, so dass sie sich teilweise isolieren um verletzenden Bemerkungen aus dem Weg zu gehen. Später gelingt es dem Ehepaar zu reflektieren, dass sie es manchmal anderen Menschen auch schwermachen, in den Kontakt zu treten, weil sie schon so sehr auf verletzende Begegnungen programmiert sind und sich entsprechend abwehrend verhalten.

Das Buch greift viele Themen auf, mit denen sich Familien mit einem schwer erkrankten Kind auseinandersetzten:

 

  • Wie viel Therapie ist gut und wann überfordere ich mein Kind?
  • Welche medizinische Versorgung und Operation ist notwendig?

 

Sandra Roth erzählt, wie die Anforderungen der Ärzte, sie sei die Spezialisten für ihr Kind und könne am besten bewerten, wie es ihrem Kind geht, zunächst überfordert.

 

Wie kann ich Hilfe annehmen? Es wird spürbar, wie schwierig es der Mutter fällt, anderen Menschen die Verantwortung für ihre Lotta zu geben, doch Sandra Roth lernt es loszulassen und baut sich ein Netz von Helfern auf.

 

Wo bekomme ich welche Hilfe? Welcher Kindergarten ist der richtige für unser Kind? Der Kampf mit den Kostenträgern. Wie bekommt jeder einzelne in der Familie genügend Aufmerksamkeit und Freiräume, natürlich auch der ältere Bruder Ben?

 

Wie geht die Familie mit den wiederkehrenden lebensbedrohlichen Anfällen und der Angst um ihre Lotta um?

 

Die Autorin fordert uns Lesern darüber hinaus auf, über ethische Fragestellungen nachzudenken. So geht sie beispielsweise auf die pränatale Diagnostik ein oder beschreibt auch unser Streben nach Leistung und den Wettkampf der Familien um das erfolgreichste Kind. Sie erinnert sich zurück, wie wichtig es auch ihr war, dass ihr Sohn mithalten konnte bei dem Erlernen bestimmter Ding. Und nun wird die Familie getragen von dem Glück, wenn Lotta lacht oder Ben unbefangen mit seiner Schwester spielt und schmust. Was ist wichtig in unserem Leben? Welchen Werten möchten wir in unserer Gesellschaft welche Bedeutung geben? Die Autorin erzählt viele Erlebnisse so, wie sie geschehen sind. Einige erzählt sie in Anlehnung an ihren Erfahrungen, um die Persönlichkeitsrechte ihres Umfeldes zu schützen.

 

Das Buch ist getragen von der Liebe der Familie und es lässt keinen Zweifel, wie lebenswert ein Leben mit einem Kind mit einer schweren Behinderung ist.

Was ist los mit Ben?

Autor: Bundesverband Kinderhospiz e.V.

Rezension: Ann-Christin Konderla

 

für Kinder und Erwachsene

 

„Was ist los mit Ben?“ beschreibt die Situation einer betroffenen Familie, aus der Sicht des gesunden Geschwisterkindes. Es lädt dazu ein beim Lesen mit dem Kind ins Gespräch zu kommen und bietet eine gute Grundlage, damit das Kind weitere Fragen stellen kann.

 

Das Buch erzählt die Geschichte eines 7 jährigen Mädchens Lotte, dessen 5 jähriger Bruder Ben krank geworden ist. Es wird aus Lottes Sicht beschrieben, welche Veränderungen innerhalb der Familie stattfinden. Durch die Erkrankung von Ben hat sich vieles verändert. Sie berichtet davon, dass ihr Bruder nun zu müde ist um mit ihr zu spielen, ihre Mutter oft mit Ben ins Krankenhaus fährt und auch lange dort bleiben muss. Lotte ist nun mit Papa alleine zu Hause und findet es ohne Ben langweilig. Sie ist nun nach der Schule oft bei ihren Großeltern, dabei möchte Lotte auch lieber bei Ben und Mama sein. Die Mama erklärt Lotte, dass Ben krank ist. Auch wenn er wieder nach Hause kommt, wird er noch krank sein. Für Lotte ist dies nur schwer zu begreifen. “Ich verstehe das nicht!“. Es wird deutlich, wie schwierig es auch für Geschwisterkinder sein kann, die Situation zu verstehen. Das Buch zeigt auch, wie wichtig es für die Kinder ist, dass ihre Fragen beantwortet werden.

 

Als Ben aus dem Krankenhaus kommt, hat er zu Hause ein neues Bett. Abends ist die Mutter oft müde, wenn sie Lotte eine Geschichte vorliest und schläft oft selbst dabei ein. Es wird sehr anschaulich beschrieben, welche Veränderungen dies auch für Lotte hat. Sie muss oft auf ihre Eltern verzichten und merkt, dass ihre Mutter kaum noch Zeit für sie hat. Plötzlich verändert sich der ganze Alltag der Familie und die Erwachsenen führen ernste Gespräche, die Lotte nicht mitbekommen soll. Das Buch beschreibt schön, welch feines Gespür Kinder dafür haben, wenn Erwachsene sich anders verhalten.

 

In dem Buch werden auch die unterschiedlichen Institutionen genannt, die nun mit der Familie zusammenarbeiten. Von der Kinderärztin, die regelmäßig die Familie besucht, um nach Ben zu schauen, bis hin zur Mitarbeiterin vom Kinderhospizdienst, die gemeinsam mit Lotte Zeit verbringt. Dann darf Lotte immer überlegen, was ihr besonders viel Spaß macht.

 

Ich empfinde das Buch als eine gute Grundlage, um mit dem Kind ins Gespräch zu kommen. Es zeigt viele Situationen auf, die betroffenen Familien wahrscheinlich allzu bekannt vorkommen werden. Das gemeinsame Lesen des Buches kann bei den Kindern einige Fragen aufwerfen, die gemeinsam besprochen werden können. Auf diese Weise kann man sich langsam den Thema annähern und dem Kind die Situation genau erklären, ohne es zu überfordern.

Keine Angst vor fremden Tränen

Autor: Chris Paul

Rezension: Anke Konermann

 

„Ich weiß gar nicht was ich sagen soll…“

Vielen Menschen fällt es schwer Trauernden zu begegnen. Sie haben Angst

nicht die richtigen Worte zu finden oder etwas falsch zu machen, werden sprachlos und wenden sich aus Unsicherheit vielleicht ab. Dabei tragen trauernde Menschen schon den Verlust um den verstorbenen Menschen, gerade nun sind verlässliche Kontakte, Beziehungen so wichtig.

 

Dieses Buch ist geschrieben für alle, die sich mehr Sicherheit für ihre Begegnungen mit trauenden Menschen wünschen. Die Autorin, Chris Paul, ist u.a. die Leiterin des Trauerinstitutes Deutschlands und greift auf ihren großen Erfahrungsschatz zurück. Durch Beispiele und Tipps wird anschaulich beschrieben, welches Verhalten trauenden Menschen gut tut und welches sie aber auch missverstehen können. Zum besseren Verständnis werden grundlegende Trauerprozesse beschrieben.

 

Ein fachlicher und sehr alltagspraktischer Leitfaden für den Umgang mit trauernden Menschen, der hilft die Sprach- und Hilfslosigkeit zu überwinden und „die Angst vor fremden Tränen“ abzubauen, zuhören zu lernen und die Trauernden nicht alleine zu lassen. Verständnisvoll ermutigt Chris Paul jeden einzelnen  einen Weg zum Trauernden zu finden.

 

Ich hatte das große Glück Chris Paul persönlich kennenzulernen und war sehr beeindruckt von Ihrem Engagement und Fachwissen. Sie versteht es auf wunderbarer und einfühlsamer Weise einem nahezubringen wie wichtig es ist, trauernde Menschen nicht alleine zu lassen!

Ein Dino zeigt Gefühle

Autoren: Heike Löffel und Christa Manske

Rezension: Königskinder

 

Dinos sind immer groß, stark und gefährlich, denkt man, aber sie können auch ganz schön traurig oder ängstlich sein.

Wie sich Trauer und Angst, aber auch Gefühle wie Nachdenklichkeit, Unentschlossenheit oder Geborgenheit anfühlen wird in diesem Buch sehr anschaulich dargestellt. Dabei wird jedem Gefühl eine Doppel-Seite gewidmet, der Text wird durch jeweils ein ausdrucksstarkes Bild unterstützt und es bleibt viel Freiraum für individuelle Geschichten.

„Ein Dino zeigt Gefühle“ ist als Begleitung für Gespräche mit Kindern über ihre Gefühle gedacht, um ihnen zu helfen ihre Gefühle auszudrücken, sich dadurch besser wahrzunehmen und das Selbstbewusstsein zu stärken.

Zusätzlich gibt es einen Ratgeber, der Sie beim Einsatz des Buches begleitet.

Wie ist das mit der Trauer?

Autor: Roland Kachler
Rezension: Maike Biermann

 

In diesem Buch dreht sich alles um das Thema Abschied, vom kleinen, einfachen bis hin zum schlimmen Abschied. Das Buch ist aufgeteilt in einzelne in sich abgeschlossene Erzählungen in kindgerechter Sprache, die sich mit unterschiedlichen Lebens-/Trauersituationen von Kindern und Familien beschäftigen. So werden beispielsweise die Geschichten von Lena und Tim erzählt, deren Großeltern verstorben sind oder von Benni und Sofie, die mit dem plötzlichen Tod ihres Vaters zurechtkommen müssen bis hin zu Maxi, die um ihren verstorbenen Bruder trauert und sich schuldig daran fühlt. In diesen Erzählungen wird kein Gedanke tabuisiert und alles an- bzw. ausgesprochen, was Kinder in diesen Situationen bewegt.

 

Die  unterschiedlichen Gefühle in den verschiedenen Phasen der Trauer wie beispielweise Schock und Nichtwahrhabenwollen bis hin zu einer gelingenden Trauerbewältigung werden hier verständlich zur Sprache gebracht. Oft fühlen sich Kinder, die mit dem Abschied konfrontiert sind sprachlos und können ihre Gefühle nicht in Worte fassen. Diese Erzählungen holen die Kinder behutsam in ihren Gefühlen dort ab, wo sie gerade stehen, und verhelfen dazu, ihre eigenen Trauerreaktionen besser zu verstehen und einzuordnen. Kindern gelingt es schnell, sich mit den Akteuren dieses Buches zu identifizieren.
In die Geschichten sind immer kleine Infoblöcke und Texte eingeschoben, in denen Themen aus den Erzählungen, wie beispielweise der Ablauf einer Beerdigung, einzelne Trauerphasen, Friedhof etc. nochmal gesondert aufgegriffen und erläutert werden.

 

Diese können auch von den Erwachsenen als hilfreiche Anregungen zum Gespräch mit dem Kind genutzt werden. Darüber hinaus sind in dem Buch viele tragende hoffnungsvolle Bilder zum Thema Sterben und Tod aus dem christlichen Glauben zu finden, die den Kindern und Erwachsenen angeboten werden. Dadurch bleibt dieses Buch nicht rein informativ, sondern beinhaltet viele tröstende Momente. Die kurzen Erzählungen können voneinander unabhängig je nach Trauersituation des Kindes eingesetzt werden.

 

Ich empfinde dies Buch als ein besonderes Buch, da es gelungen ist, durch unterschiedlichste Erzählungen Kinder in ihren doch so vielfältigen Gefühlen und Reaktionen in der Trauer zu erreichen und dem Gefühlten, wie Traurigkeit, Wut, Angst, Ohnmacht, Schuld, Schock, Unsicherheit, Verzweiflung etc. Worte zugeben. Trotz der vielen Informationen spendet es Trost und Hoffnung und ist dadurch ein wertvoller Begleiter in vielfältigen Trauersituationen im Erleben eines Kindes.

Die besten Beerdigungen der Welt

Autor: Ulf Nielsson, Eva Eriksson

Rezension: Anke Konermann

 

An einem langweiligen Tag findet Esther eine tote Hummel und beschließt, diese zu beerdigen. Ihr Freund (hier als Bucherzähler in der „Ich-Form“ beschrieben) wird von der dominanten Esther in die Zeremonie mit einbezogen, obwohl ihm das zunächst Unbehagen bereitet. Er bietet an, Gedichte  zu schreiben, da ja eine Totenrede gehalten werden muss.

 

Nachdem die Hummel würdevoll auf einer einsamen Lichtung begraben wurde, beschließt Esther, da die Welt voller Tote ist, sich darum zu kümmern. Sie machen sich auf die Suche nach toten Tieren und Esthers kleiner Bruder  beteiligt sich an der Suche, obwohl er den Begriff „Tod“ noch nicht versteht. Esther versucht ihm klarzumachen, dass jeder mal sterben muss, meist aber erst wenn man ganz alt ist.Der kleine Bruder Putte wird ganz traurig und weint. Da Putte so gut weinen kann, ist er ab sofort bei den Beerdigungen für das Weinen und das Bemalen von schönen Steinen zuständig.Sie gründen eine Firma mit dem Namen „Beerdigungen AG“, befüllen einen alten Koffer, indem alles zu finden ist, was man für Beerdigungen so braucht und wollen die besten Beerdigungen der Welt ausrichten. Esther ruft alle Nachbarn an und es findet sich tatsächlich gegen Bezahlung ein toter Hamster mitsamt seiner trauernden Besitzerin. Ihm ermöglichen sie eine wunderschöne Beerdigung. Als sich in der Nachbarschaft nichts mehr an Verstorbenen finden lässt, liegen im Kühlschrank immerhin noch drei tote Heringe…

 

Nach unzähligen Bestattungen beschließen die Kinder, am nächsten Tag etwas anderes zu spielen.

 

Das Thema Tod wird in diesem Buch in einer  lebensnahen Erzählung liebevoll und behutsam von verschiedenen menschlichen Charakteren beleuchtet. Neben der wunderbaren  Illustration, die hell und freundlich die Situationen darstellt, ist  der Text von Traurigkeit und Witz geprägt..

 

Ein absolut empfehlenswertes, wunderschönes Kinderbuch ohne  jede falsche Sentimentalität.

Sterben, Tod und Trauer in der Schule. Eine Orientierungshilfe

Autorin: Stephanie Witt-Loers

Rezension: Königskinder

 

Jeder Lehrer kann in der Schule irgendwann mit dem Thema Tod und Trauer konfrontiert werden. Sei es ein Todesfall  innerhalb der Familie eines Schülers, der eines Kollegen oder sogar eines Kindes. In dieser Zeit ist es wichtig, die Kinder in ihrer Trauer pädagogisch zu begleiten. Doch der Umgang mit Kindern in Trauersituationen ist bei Weitem keine einfache Aufgabe. Möglicherweise sind die  Lehrer auch selbst von der Trauer betroffen.

 

Stephanie Witt-Loers beschreibt in ihrem  Buch, wie sie eine 1. Klasse in ihrer Trauer um J., einen Mitschüler, der durch einen Autounfall ums Leben kam, begleitet. Sie kannte J. persönlich, da er ein Mitschüler und Freund ihres Sohnes war. Aus den Reaktionen ihres Sohnes, ihrer weiteren Kinder und aus ihrer eigenen Betroffenheit heraus entschloss sie sich, die Kinder der 1. Klasse in ihrer Trauer um J. zu begleiten. Sie gestaltete zwei Unterrichtstage und besuchte mit den Kindern das Grab von J. Darüber hinaus lud sie zu einem Elternabend ein und unterstütze J’s Familie bei der Organisation der Trauerfeier. In der Vorbereitungszeit für die Unterrichtstage und die Trauerfeier wäre sie dankbar über eine Orientierungshilfe gewesen, weshalb sie sich dazu entschied, ihr Konzept für die Begleitung der Klasse zu verschriftlichen und dieses Buch zu veröffentlichen.

 

Das Buch von Stephanie Witt-Loers bietet eine praktische und detaillierte Orientierungshilfe für den Umgang mit  Trauersituationen, insbesondere in Grundschulen. Es beinhaltet zahlreiche Materialien und konkrete Beispiele für die Gestaltung von Trauerbegleitungen von Kindern. Darüber hinaus ist in dieser Orientierungshilfe ein ausführliches Verzeichnis mit Literatur-, Musik-, Film-, Theater-, Internetadressen- und Kontaktstellenempfehlungen mit inbegriffen.

Rote Karte für den Schmerz

Autoren: Michael Dobe und Boris Zernikow

Rezension: Königskinder

 

Wie Kinder und ihre Eltern aus dem Teufelskreis chronischer Schmerzen ausbrechen

 

Michael Dobe ist Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut an der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln und arbeitet dort auf der psychosomatischen Station mit dem Schwerpunkt Kinderschmerztherapie.

 

Boris Zernikow ist Chefarzt der Abteilung für Schmerztherapie, Palliativmedizin und Psychosomatik der Vestischen Kinder- und Jugendklinik Datteln.

 

Ihr Fachwissen und ihre vielfältigen Erfahrungen werden in diesem Buch anschaulich miteinander verbunden. Fallbeispiele und Zitate von Kindern und Jugendlichen und ihren Familien machen belastenden Situationen greifbar. Das Buch besticht durch eine verständliche Schreibweise, so dass auch der Laie die Informationen leicht nachvollziehen kann. Ein weiterer Pluspunkt ist die klare Struktur des Buches. Zunächst erfahren wir Grundlegendes zum Thema Schmerz. Was ist ein akuter, was ein chronischer Schmerz? Wir lernen den Teufelskreislauf „Schmerz“ kennen und erfahren, dass es ein Schmerzgedächtnis gibt.

 

Die Autoren klären uns über typische Denkfallen auf, in denen das Umfeld durch den hohen Leidensdruck hineinfallen kann, welches leider den Teufelskreislauf verstärkt. Natürlich fehlt es nicht an praktischen Hilfestellungen, wie Kinder/Jugendliche und ihre Eltern den Schmerz eindämmen können. Auch Informationen über spezielle Schmerzsymptomatik bei Bauch-, Rücken- und Kopfschmerzen werden gegeben.

 

Gleichwohl weist das Buch immer wieder auf Grenzen hin und gibt Informationen über Anlaufstellen, wenn eine Behandlung durch jemand Professionelles stattfinden muss.

 

Das Buch ist sehr empfehlenswert, denn es hält auch viele interessante Informationen für Eltern bereit, deren Kinder nicht aktuell unter starken Schmerzen leiden, denn es gibt grundlegend Anlass darüber nachzudenken, wie wir unsere Kinder bei Schmerzen sehr wahrscheinlich besser begleiten können. Für betroffene Familien ist dieses Buch ein Schatz, denn endlich kann man sich verstanden fühlen. Konkrete Tipps für unterschiedliche Altersstufen geben eine praktische Möglichkeit aktiv etwas an der Situation zu verbessern. Das Buch ist als Taschenbuch erhältlich und kostet 16,95€. Zunächst verwundert der Preis für die 188 Seiten, aber für interessierte Menschen und betroffene Familien ist es Gold wert.

Klaras Kiste

Autorin: Rachel van Kooij

Rezension: Königskinder

Altersempfehlung: 10-12 Jahre

 

Klara Meinert, Klassenlehrerin einer vierten Klasse , kommt nach wochenlanger Krankheit zurück in die Schule und teilt den Schülern und Schülerinnen ihrer Klasse mit , dass sie nicht mehr lange zu leben habe.

 

Die Kinder sind geschockt.Sie können es nicht glauben und reagieren mit unterschiedlichen Gefühlen wie Wut, Traurigkeit, Angst und Fassungslosigkeit. Frau Meinert schlägt vor –  auch wenn sie nicht mehr unterrichten kann – noch Zeit mit ihrer Klasse zu verbringen, indem sie sich im hinteren Teil des Klassenzimmers ein kleines Urlaubsparadies einrichtet.

 

Mit Hilfe der Kinder entsteht dort ein Urlaubsort mit Liegestuhl, Sonnenschirm und vielen bunten Liebenswürdigkeiten, welche die Kinder mitbringen. Regelmäßig sitzen die Kinder nun auf Strandtüchern um den Liegestuhl versammelt und lauschen einer Geschichte, die Frau Meienrt bisher allen Kindern erzählt hat.

 

Noch vor den großen Sommerferien verabschiedet sich Frau Meinert von ihrer Klasse, da sie zunehmend schwächer wird, und die restliche Zeit , die ihr noch bleibt zuhause verbringen möchte.

 

Die Kinder der Klasse können nicht begreifen, dass sie Frau Meinert für immer verlieren werden und hoffenauf ein Wunder. In der Erkenntnis, dass dieses nicht eintreten wird, überlegen sie fieberhaft , welches Geschenk sie ihrer Lehrerin noch machen können. Das bereits gekaufte Buch mit den „schönsten Urlauubszielen“ finden sie unpassend. Nach langen Überlegungen kommt Julius, einer der Protagonisten des Romans, auf die Idee, einen Sarg für Klara Meinert zu bauen, auf dem sich alle Schüler und Schülerinnen der Klasse verewigen können. Mit Hilfe seines wortkargen und griesgrämigen Opas kann die Klasse die Idee umsetzen.

 

Der Roman endet damit, dass die Kinder den Sarg mit Hilfe einer Sackkarre zu Frau Meinert transportieren und ihrem Mann überreichen. Frau Meinert selbst kann das Bett nicht mehr verlassen, sie liegt im Sterben.

 

Sie kann die Kinder aber noch hören. Ihr Mann berichtet ihr , dass die Kinder ihrer Klasse ein ganz besonderes Geschenk vorbeigebracht haben, dass sie auf ihrer Reise begleiten wird.

 

Ein wunderbares Kinderbuch, dass sich dem Thema Sterben mit facettenreichen Gefühlen widmet und dabei auch humorvoll ist. Auch wenn der Tod einen wesentlichen Teil des Buches einnimmt, werden auch andere Lebenswelten von Kindern nicht ausgeblendet. Freundschaft, Streit, Familie, Trennung der Eltern …

 

Besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin sich das Sterben einer Lehrerein und nicht eines Elternteiles  zum Thema gewählt hat.Somit gerät nicht ein einziges Kind in den Fokus , die ganze Schulklasse ist gleichermaßen betroffen. Dadurch werden die Gefühle und Reaktionen kindlicher Trauer besonders deutlich.

Als Otto das Herz zum ersten Mal brach

Autor: Axel Schulß

Rezension: Oda Findorff-Otto

 

Annie wird niemals wiederkommen! Mit dieser plötzlichen Nachricht nach einem tödlichen häuslichen Unfall des kleinen Mädchens wird Otto an einem Morgen konfrontiert. Aber Annie ist nicht irgendeine Klassenkameradin – sie ist mit Otto auf eine besonders liebevolle Weise verbunden. Sie sind gemeinsam sogar mit Ringen verbunden, die sie sich von ihrem Taschengeld mühevoll aus einem Kaugummiautomaten gezogen haben. Eigentlich hatten sie im Kinderzimmer sogar richtig geheiratet.

 

Nun ist Annie nicht mehr da. Und Ottos verwundete kleine Kinderseele erinnert an die eines Witwers, der um seine geliebte Frau trauert. Er besucht alle Plätze, an denen sie gemeinsam waren. Er spürt die Einsamkeit. Vieles kann er nur alleine bewältigen, aber in seinem einfühlsamen Elternhaus und in der Schule erfährt er Trost und gute Begleitung.

 

Es ist ein zartes und anrührendes Buch darüber, wie ein kleiner Junge lernt, mit dem Tod umzugehen. Es wird den kleinen Leserinnen und Lesern helfen zu verstehen, wie sich ein Angehöriger fühlt, wenn der Partner plötzlich verstirbt. Daniela Bunge hat die zu Herzen gehende Geschichte in warmen Farben detailreich illustriert, so dass auch jedes Bild für sich zum Innehalten und Nachdenken einlädt.

 

Dieses Buch sollte in keiner Grundschulbibliothek fehlen.

Der Bär und die Wildkatze

Autor/ Illustrationen: Kazumi Yomoto, Komako Sakai

Rezension: Nina Sautmann

Bilderbuch für Kinder ab 6 Jahren

 

Der Bär ist traurig, denn sein bester Freund, der kleine Vogel ist gestorben. Liebevoll bastelt er eine kleine Schachtel für den kleinen Vogel, die er fortan immer bei sich trägt. Die Tiere im Wald machen sich Sorgen um den Bären und raten ihm, er solle doch den kleinen Vogel vergessen. Aber das ist leichter gesagt, als getan. Der Bär fühlt sich nicht verstanden und schließt sich ein. Lange Zeit verlässt er sein Haus nicht mehr, doch eines Tages öffnet er das Fenster und entschließt sich, sich auf den Weg zu machen, wo er nach einer Weile auf die Wildkatze trifft. Auch sie hat eine Schachtel dabei und die beiden kommen ins Gespräch. So zeigt der Bär der Wildkatze die kleine Schachtel, in der der kleine Vogel nach wie vor ganz friedlich liegt und realisiert, dass er zum ersten Mal seit langer Zeit auf jemanden getroffen ist, der ihn zu verstehen scheint. Er erinnert sich an all die schönen Momente, die er gemeinsam mit dem kleinen Vogel erleben durfte und kann ihn schließlich an einer Lichtung im Wald, an der sich die beiden immer gesonnt hatten, beerdigen. Die Wildkatze nimmt ihn mit auf eine Reise in die große weite Welt.

 

Die Geschichte vom Bären und der Wildkatze erzählt auf anrührende Weise von dem Verlust eines guten Freundes, der Trauer und dem langen Weg der Bewältigung. Nicht immer verstehen andere uns, wenn wir trauern. Wir sollen möglichst schnell vergessen, doch das ist nicht der Sinn der Trauer. Vielmehr geht es darum, einen Weg zu finden, die lieben Verstorbenen in unser Herz zu schließen und sie in unserer Erinnerung und in unserem Herzen zu behalten, wozu die Wildkatze dem Bären auf einfühlsame Weise verhilft. Sie wird zum neuen Freund des Bären, der ihn versteht. Zwar ist sie kein Ersatz für den kleinen Vogel, doch der Bär findet einen Weg, wie er mit seiner großen Trauer um ihn weiterleben kann.

 

Schwarz-weiße Illustrationen unterstreichen die unendliche Trauer des Bären und kleine Farbakzente verdeutlichen die der Geschichte innewohnenden Hoffnung. Bilder und auch Geschichte sind für ein Bilderbuch recht anspruchsvoll, daher eignet sich dieses Buch insbesondere für Kinder ab 6 Jahren, einerseits um selbst neue Hoffnung in der Trauer zu schöpfen, andererseits auch um über Themen wie Sterben Tod und Trauer, sowie die eigenen Gedanken und Gefühle dazu zu sprechen.

 

Ein Buch voller Hoffnung und Trost, das sehr zu empfehlen ist!

Die Hälfte des Himmels gehört Bo

Autorin: Dagmar H. Mueller

Rezension: Königskinder

 

Geschichten, in denen wir mit dem Sterben und dem Tod konfrontiert werden, sind zumeist traurig. Dieses Kinderbuch jedoch ist offen und authentisch und an verschiedenen Stellen sogar sehr lustig. Geschrieben ist es aus der Perspektive der elfjährigen Martha, die sich als drittälteste Schwester in der Geschwisterfolge ein gemeinsames Kinderzimmer mit ihren sechsjährigen Bruder Boris, genannt Bo, teilt.

 

Zank und Streit sind da ebenso an der Tagesordnung wie Kuscheln, kleine Geheimnisse und gemeinsame Streiche. Wie in jeder Familie mit mehreren Kindern. Zunehmend belastend empfindet Martha nur die Tatsache, dass die Eltern ihrem Jüngsten unverhältnismäßig viel durchgehen lassen. Bo kann anstellen, was er will, die Reaktion der ansonsten sehr konsequenten Eltern ist Sanftmut und Nachgiebigkeit. Die Erklärung für dieses widersprüchliche Verhalten lässt sich irgendwann nicht mehr zurückhalten.

 

Die Eltern müssen ihren Töchtern die Wahrheit über Bo sagen, eine Wahrheit, die sie selbst und Bo schon lange kennen: Bo, der noch nie so schnell laufen konnte wie seine gleichaltrigen Freunde und der auch ein paar Mal bewusstlos zusammenbricht, ist so krank, dass er sterben wird. Mit einem Mal versinkt die heile Kinderwelt in einer dunkelgrauen Wolke.

 

Nur Bo mit seinem unbekümmerten, sonnigen Gemüt, Bo mit seinem unbeugsamen Willen, Bo, der Besserwisser und Rechthaber, Bo, der „große Nichtübelnehmer“, dieser Bo klagt nicht. Denn die Hälfte des Himmels gehört längst ihm. Den Himmel hat er nämlich Herrn Körner, dem Piloten, abgekauft. Für drei Zitronenbonbons und zwei große Himbeerlutscher. Seine Eltern haben ihm damit geholfen einen Himmel entwerfen, auf den er sich freuen kann. Das zeugt von großer Kraft, von Stärke und von Liebe, und damit endet die anrührende Geschichte auch: mit dem Glück, Bo erlebt und geliebt zu haben, wenn auch nur für kurze Zeit.

 

Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben, Erwachsene werden im letzten Drittel Mühe haben, die Tränen zurückzuhalten. Die Lektüre ist in jedem Fall eine Bereicherung und eignet sich zum Selber lesen für Kinder ab 10 Jahre, zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahre.

Im Himmel kann ich Schlitten fahren

Autor: Michael Martensen

Rezension: Oda Findorff-Otto

 

Die kleine Sophia, die Tochter des Autors, noch nicht einmal ein Jahr alt, erkrankt an einer aggressiven Leukämie. Nach der Diagnose ist „die Welt da draußen“ für die Familie ganz weit entfernt, sie taucht ein in die Schicksalsgemeinschaft der Eltern und Kinder auf der Krebsstation.

 

Es ist die ganz besondere Vater-Tochter-Beziehung, die diesem zutiefst berührenden Buch neben der Konfrontation mit dem letztlich doch unausweichlichen Schicksal eine besondere Tiefgründigkeit verleiht. Der untröstliche Vater nimmt den Leser wie einen vertrauten Begleiter mit auf jeden Krankenhausflur, zu jeder martialischen Untersuchung, in jedes Krankenzimmer, so dass es fast körperlich schmerzt. Ebenso lässt er ihn an der unaussprechlichen Freude teilhaben, wenn sich ein Hoffnungsschimmer abgezeichnet, bindet ihn emotional ein in den verzweifelten Kampf um das Überleben des Kindes.

 

Eine weitere wunderbare und liebevolle Beziehung wird jeden Tierfreund und Hundeliebhaber faszinieren: das besondere Verhältnis von Sophia und der Hündin Cindy. Das feine Gespür des Tieres und die sich immer mehr wahrzunehmende Reife des jungen Kindes machen jeden Erwachsenen sprachlos. Längst haben sich die Prioritäten verschoben: wie wertvoll ist die verbleibende Zeit geworden! Ungläubig und dankbar nimmt die Familie wahr, wie viele – auch ihnen völlig unbekannte – Menschen Hilfsaktionen für die kleine Sophia ins Leben rufen: „Es war schön, sich in Nächstenliebe geborgen zu fühlen!“

 

Der Leser wird am Ende des Buches ein anderer sein als am Anfang. Und er wird drei Päckchen Papiertaschentücher verbraucht haben. Er wird neu nachgedacht haben über die Würde des Lebens, über die Würde eines Kindes.

 

Michael Martensen hat ein Kampf- und Trostbuch für Väter geschrieben und für Menschen, die Väter in ähnlich dramatischen Situationen verstehen lernen und ihnen hilfreich zur Seite stehen möchten.

Jolante sucht Crisula - Die Geschichte einer unendlichen Freundschaft

Autor: Sebastian Loth

Rezension: Nina Sautmann

 

Jolante und Crisula sind allerbeste Freundinnen. Doch eines Tages ist Schildkröte Crisula, die schon 127 Jahre alt ist, plötzlich verschwunden. Jolante versteht die Welt nicht mehr und begibt sich auf die Suche nach ihr. Sie erfährt schließlich, dass Crisula verstorben ist, findet sie aber doch wieder: Ganz tief in ihrem Herzen.

Das Buch „Jolante sucht Crisula“ veranschaulicht auf einfühlsame Weise, wie es ist, einen nahestehenden Menschen zu verlieren. Abschied – das bedeute auch, sich auf die Suche zu begeben, einen Weg zu finden, mit dem schweren Verlust umzugehen. So braucht auch Jolante eine Weile, um zu verstehen, was eigentlich passiert ist. Sie ist mal wütend und mal traurig. Doch am Ende träumt sie von Crisula und stellt fest: Sie hat ihre beste Freundin gar nicht verloren! Crisula ist nach wie vor in ihrer Erinnerung und tief in ihrem Herzen. Ihre Freundschaft wird trotz des Todes nicht enden.

 

Untermalt wird die rührende Geschichte von bunten und freundlichen Bildern, die insbesondere Jolantes lange Suche in den Fokus setzen und damit veranschaulichen, dass Abschied immer eine gewisse Zeit braucht. Dieses Buch kann vor allem Kindern, die den Verlust eines nahestehenden Menschen verarbeiten müssen, dazu verhelfen, ihre Trauer zu verstehen und wieder neue Hoffnung zu schöpfen, dass auch sie einen Weg finden werden, mit dem schweren Verlust umzugehen.

 

Ein rundum gelungenes Bilderbuch!

Probeliegen - Geschichten vom Tod

Autor: Torsten Körner:

Rezension: Katrin Beerwerth

 

Der Autor ist kein Unbekannter. Er ist 2010 mit dem Deutschen Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet worden und unter anderem bekannt durch seine beachteten Biographien über Franz Beckenbauer, Götz George und Heinz Rühmann. Sein Buch „Probeliegen“ fiel mir in der Bücherei ins Auge und durch den Klappentext neugierig geworden, nahm ich es kurzentschlossen mit.

 

Torsten Körner setzt sich in diesem Buch bewusst mit dem Tod auseinander. Er hospitiert in einem Krankenhaus, in einem Altenheim und einem Hospiz. Er sammelt Erfahrungen als Totengräber, schaut einem Gerichtsmediziner über die Schulter und führt viele Interviews mit Menschen zum Thema Tod. Dabei geht er mutig und offen an die Situationen heran und lässt sich überraschen. Er lädt uns ein an seinen Erfahrungen teilzuhaben. Es  gelingt mir aber nur zeitweise in das Buch einzutauchen. So springt mir zu Beginn des Buches ein Satz in die Augen: „Dem Tod zuzuhören, heißt Leben lernen“.  Torsten Körner macht solche Erlebnisse. Besonders beeindruckend ist es, wie sich der Besuch im Hospiz auf ihn auswirkt. Hier wird spürbar, dass die These im Tod Lebendigkeit zu spüren, aufgeht. Seine Aufforderung, uns bewusst mit dem Tod auseinanderzusetzen und in der Folge reicher zu leben, ist greifbar.

 

Es gibt jedoch auch immer wieder Passagen, die mich befremden. Beispielsweise seine Abhandlung über die Popmusik, welche „so diesseitig und sterblich wie nur irgendetwas“ ist und in dessen vielfältiger Einfalt er Trost findet. Auch seine Beobachtungen beim Dreh eines Pornos auf der Suche nach einer Verknüpfung zwischen Lust und Vergänglichkeit  lassen mich rätseln. Diese Passagen ziehen sich für mich in die Länge, so dass ich auch schon mal ein paar Absätze nur überfliege oder überspringe.

 

Der Vorteil des Buches mag darin liegen, dass auf Grund der vielen unterschiedlichen Szenen für jeden etwas dabei ist, mich persönlich befremdeten und irritierten manch Szenen, so dass ich immer wieder in das Buch hineinfinden musste. Mir fällt es schwer zu einem abschließenden Urteil zu kommen.

Wie ich zum besten Schlagzeuger der Welt wurde und warum

Autor: Jordan Sonnenblick

Rezension: Anke Konermann

Jugendbuch

 

Zum Autor: Jordan Sonnenblick war viele Jahre Englischlehrer, spielt Schlagzeug und wollte schon immer Schriftsteller werden. Erlebt mit seiner Frau und Kindern in Pennsylvania. Sein Buch schaffte es in Amerika aus dem Stand auf die Bestenliste. Das Buch wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

 

Geschrieben ist das Buch aus Sicht eines 13 jährigen Jungen namens Steven. Steven, ein normaler pubertierender Teenager, ist leidenschaftlicher Schlagzeugspieler. Er verbringt die meiste Zeit des Tages damit, auf seinem Schlagzeug zu üben oder sich Gedanken über das schönste und intelligenteste Mädchen der ganzen Schule zu machen.

 

Seine Welt steht Kopf als sein kleiner Bruder Jeffrey plötzlich an Krebs erkrankt. Alles fing an dem Morgen an, an dem Jeffrey  vom Stuhl fiel und fürchterlich blutete. Steven quält sich mit Vorwürfen da er nicht richtig aufgepasst hat. Er macht sich die größten Sorgen, dass Jeffrey genäht werden muss oder eine schwere Gehirnerschütterung hat und er aufgrund dessen Hausarrest bekommt. Fast erleichtert ist er, als er hört, dass Jeffrey „nur“ Leukämie hat.

 

Schnell merkt er, dass im Vergleich zur Leukämie eine Gehirnerschütterung doch gar nicht so schlecht gewesen wäre. Zitat: “Ich fand es unglaublich, dass diese Krebsgeschichte an einen einzigen Tag den ganzen Planeten auf den Kopf stellte“. Seine Eltern konzentrieren sich völlig auf Jeffrey und bemerken nicht, dass es Steven immer schlechter geht. Steven fühlt sich allein gelassen. Er bemitleidet sich selbst und flüchtet sich in seine Musik.

 

Da Steven seinem Bruder so gar nicht  helfen kann, fühlt er sich unendlich hilflos. Eine Lehrerin rät ihm – anstatt sich mit Dingen zu quälen die er nicht ändern kann – sich mit Dingen zu befassen DIE er ändern kann. Da merkt Steven, dass sein Bruder ihn braucht und wie wichtig es ist, für Jeffrey da zu sein.

 

Ein außergewöhnliches Buch das man kaum aus der Hand legen kann. Es liest sich wie das Tagebuch eines 13-jährigen Teenagers. Das Buch ist mit unglaublich viel Humor geschrieben. Gleichzeitig gelingt es dem Autor auf sensibler Weise Einblicke in die Gefühlswelt eines Geschwisterkindes zu ermöglichen. Ein sehr gelungenes Jugendbuch – zum Lachen und zum Weinen.