Bilderbücher und Kinderbücher

Wie ist das mit dem Krebs?

Autorin: Dr. Sarah Herlofsen

Rezension: Katrin Beerwerth

Kinderbuch, empfohlenes Alter sechs bis acht Jahre

 

Die Autorin studierte Biologie und Philosophie. Sie ist beruflich sowohl in der Lehre als auch in der Forschung immer wieder in anderen Bezügen mit dem Thema Krebs konfrontiert gewesen, so dass sie viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl mitbringt, kleinen Menschen dieses Thema zu erklären.

Das Buch ist so aufgebaut, dass eine Kinderfrage nach der anderen jeweils anschaulich, aber dennoch auf den Punkt gebracht, beantwortet wird. Die Fragen sind eine Sammlung aus Dr. Sarah Herlofsens Begegnungen mit von Krebs betroffenen Familien. Die Themen umfassen eine große Bandbreite, so lernen wir etwas über die Entstehung von Krebs, die Behandlungsmöglichkeiten und die Gefühlswelten von Betroffenen und Angehörigen. Auch das mögliche Sterben findet seinen Platz.

Die Autorin richtet sich sowohl an krebserkrankte Kinder als auch an Kinder, deren Angehörige/r erkrankt ist. Die Autorin versteht es, wichtige Informationen zugleich sachlich und einfühlsam anzu­sprechen. Die kindgerechten Illustrationen von Dagmar Geisel begleiten das Buch liebevoll.

Abgerundet wird das Buch durch ein Nachwort für Eltern, welches viele wichtige Informationen bereithält, wie Erwachsene Kinder begleiten können. Es ruft uns dazu auf, Kinder nicht auszugrenzen und sie nicht ihren Gefühlen alleine zu überlassen, denn es ist ein Trugschluss zu denken, dass Kinder – auch wenn wir uns noch so sehr bemühen – unsere sorgenvolle Gefühlswelt nicht spüren würden. Mit ihnen ins Gespräch zu gehen und sie spüren zu lassen, dass sie all ihre Fragen stellen und Gefühle äußern können, stärkt Kinder sich mit diesen Erfahrungen konstruktiv auseinandersetzen zu können.

Das Buch wird für Kinder ab sechs Jahren empfohlen. Aber auch für Erwachsene, die in irgendeiner Art und Weise Kinder bei diesem Thema begleiten, finde ich es sehr wertvoll, um sich für die Gedanken- und Gefühls­welt der Kinder zu sensibilisieren.

Betont werden könnte meiner Meinung nach, dass wir Erwachsene – gerade bei dem Thema Hoffnungsbilder – zunächst den Kindern Raum geben, ihre Vorstellungen zu äußern. In unserem Bemühen unsere Kinder zu trösten, bieten wir vielleicht vorschnell Bilder an, die Kinderseelen auch ängstigen können. Dass der verstorbene Mensch im eigenen Herzen weiterleben wird oder vom Himmel aus immer auf uns herabsieht, kann von Kindern auch beängstigend erlebt werden. Wichtig ist es, sich der Sprache und der Vorstellungswelt des Kindes anzupassen. Insgesamt gefällt mir das Buch sehr gut und ich empfehle es gerne.

Im Himmel ist es fast genauso

Autor: Ulf Stark

Rezension: Maike Biermann

 

„Im Himmel ist es fast genauso“ ist ein sehr ungewöhnliches und beeindruckendes Kinderbuch, das vom Tod, von der Trauer, vom Vermissen und tiefen Gefühlen berichtet.

 

Es erzählt die Geschichte eines achtjährigen Jungen, dessen Schwester bei der Geburt, drei Jahre vor seiner eigenen Geburt gestorben ist. Seine Mutter verkriecht sich oft mit Kopfschmerzen tagelang im Bett und Ulf ist auf sich selbst gestellt. Er muss immer leise sein, da „Mama eine Strassenbahn im Kopf“ hat.  Ulf ist oft bei seinem Freund Klas. Gemeinsam machen sie sich Gedanken über den Tod und Ulf spricht über die verstorbene Schwester. Er vermisst sie sehr, obwohl er sie nie kennengelernt hat. Er denkt darüber nach, wo wohl die Toten wohnen und fragt seinen Vater, ob der Himmel so groß sei, dass alle Toten darin Platz finden. Sein Vater wimmelt ihn jedoch schnell ab und sagt, dass es keinen Sinn macht über Tote zu sprechen.  Ulf überlegt sich, wo die Schwester jetzt wohl sein könnte und Klas erzählt ihm von seiner Phantasie, dass man mit den Toten im Himmel über ein Mikrofon sprechen könne. Schließlich probiert Ulf heimlich den Funkapparat von Papa aus und schickt eine Nachricht an seine Schwester. Sie solle ihn doch bald besuchen! Am nächsten Tag begegnet er einem Mädchen im Alter seiner Schwester, verbringt spielenderweise viele Stunden mit ihr, freundet sich mit ihr an und kommt zu dem Schluss, dass das seine Schwester sein könnte. Als  sich aufklärt, dass das Mädchen eine Freundin seines Bruders ist, ist er zutiefst erschüttert. Ulf findet jedoch aus der Traurigkeit heraus, da Klas ihm erklärt, dass in diesem Mädchen vielleicht für den Moment seine Schwester spürbar war. Dies tröstet Ulf sehr.

 

Dieses Buch erzählt von einer tiefen Traurigkeit  und dem Sehnen des Jungen nach seiner großen Schwester. Es wird deutlich, wie wichtig Antworten für Kinder sind und manchmal sind es vielleicht Antworten, die für uns Erwachsen erstmal abwegig erscheinen. Für Ulf ist es so, dass er über greifbare Mittel versucht Kontakt in den Himmel zu bekommen. Kinder denken anschaulich und sie brauchen unsere Unterstützung. In dieser Geschichte sind beide Elternteile nicht wirklich greifbar und doch gelingt es den Kindern, für sich eine Antwort zu finden und seiner toten Schwester einen Platz im Leben zu geben.

 

Ich empfinde die Geschichte bei aller Traurigkeit als sehr hoffnungsvoll. Sie ist großartig und sehr klar  geschrieben und sowohl für Kinder als auch für Erwachsene empfehlenswert!

 

Abschied von Opa Elefant

Autor/Illustration: Isabel Abedi/ Miriam Cordes

Rezension: Stella Borgmeier

 

Herumtollend spielen die Elefantenkinder an einem warmen Sommertag am Fluss, ziehen das Wasser wie durch einen Strohhalm in ihre Rüssel und besprühen sich gegenseitig damit den Rücken.

 

Der kleinste Elefant Johnny wird aufmerksam auf den Elefantengroßvater, der mit seinem langen, faltigen Rüssel auf sie zukommt. Doch kommt der Opa Elefant heute nicht, um seinen Enkelkindern eine Geschichte zu erzählen: Opa Elefant möchte sich von seinen Enkelkindern  verabschieden, denn er wird sterben.

 

Jonny ist ganz verwirrt: Wie geht sterben? Und wohin geht man, wenn man stirbt?

Geht man in den Himmel oder in die Hölle? Lebt man das ganze Leben noch mal von vorn? Oder wird man in etwas anderes verwandelt? Vielleicht wird man ja auch zu Staub? Oder fliegt die unsichtbare Seele aus dem Körper und lebt weiter?

 

Aufgeregt von Opas Nachricht erzählen sich die Enkelkinder gegenseitig, was für sie der Tod bedeutet, doch können sie sich nicht einigen.

Auch Opa Elefant kann Johnnys  Frage, was denn nun wirklich passiert, wenn man stirbt, nur mit den Worten: Der Tod ist ein großes Geheimnis, niemand weiß, was passiert, wenn man stirbt. Das muss jeder für sich alleine erleben und das ist das Besondere daran, beantworten.

 

„Abschied von Opa Elefant“ ist ein sehr gelungenes Buch. Liebevoll thematisiert es die Vorstellungen von Tod und was danach kommt und erlaubt dabei jedem sich seine eigenen Vorstellungen zu machen. Ich finde das Buch vor allem gelungen, da es so nah an der Wahrheit ist. Niemand weiß was wirklich nach dem Tod kommt und so ist es doch umso schöner, dass jeder sich seine eigenen Vorstellungen bilden darf.

Der Baum der Erinnerungen

Autorin: Britta Teckentrup

Rezension: Maike Biermann

 

In diesem Buch wird die Geschichte von einem kleinen roten Fuchs erzählt, der am Ende seines Lebens angekommen ist und Abschied nimmt. Er legt sich in den Schnee und stirbt. Seine Freunde, die übrigen Waldbewohner sind sehr traurig und versammeln sich im Wald auf einer Lichtung um den Fuchs herum. Einer von Ihnen macht den Anfang, durchbricht die stille Traurigkeit und erzählt von seinen Erinnerungen über den Fuchs. Viele andere schließen sich und berichten über das, was sie mit dem Fuchs im Leben verbunden hat. Vor ihren Augen und im Herzen werden die Bilder des Fuchses lebendig und um den Fuchs herum entsteht eine muntere, herzenswarme Erzählrunde, in der auch gelacht wird und Schönes ausgetauscht wird. An der Stelle, wo der Fuchs gelegen hat, sprießt nach kurzer Zeit ein kleines orangenes Pflänzchen aus dem Boden hervor. Während die Waldbewohner weiter ihre Erinnerungen austauschen, wächst der Baum in ihrer Mitte immer weiter und wird schließlich zu einem wunderschönen riesigen Baum, der allen Tieren Schutz bietet. Es ist der Baum der Erinnerungen und der kleine Fuchs bleibt durch die Erinnerungen für seine Freunde immer lebendig.

 

Dies ist eine wunderschöne Geschichte über das Leben, das Sterben und den Abschied. Mit einfachen und klaren Worten und Bildern wird beschrieben, was hilfreich und tröstlich ist, wenn wir von jemandem Abschied nehmen müssen, den wir lieben. Über den Verstorbenen zu sprechen, hilft Erinnerungen lebendig werden zu lassen. Es hat mich sofort an das so vielen Menschen vertraute Kaffeetrinken nach einer Beerdigung erinnert. Wie hilfreich  ist es doch,  in diesen schwierigen Momenten solch ein vertrautes Ritual zu haben.

 

Dieses Buch ist sowohl für Kinder als auch für  Erwachsene empfehlenswert und hilfreich, die sich in solch einer Situation des Abschieds  befinden. Ein schönes und einfühlsames Buch!

Lukas ist wie Lukas

Autor: Dagmar H. Mueller

Rezension: Nina Sautmann

Bilderbuch für Kinder bis 6 Jahre

 

Diese Geschichte handelt von Tord und seinem großen Bruder Lukas. Die beiden mögen einander sehr und spielen gerne zusammen. Doch Lukas ist nicht wie all die anderen Kinder: Er hat das Down-Syndrom. Eines Tages möchten Tord und Lukas wie so häufig zusammen Fußball spielen, doch auf der Wiese, auf der sie immer spielen, sind schon andere Kinder. Weil Lukas anders ist, möchten sie nicht, dass er mitspielt, was Lukas sehr traurig macht. Tord hingegen darf mitspielen. Als er jedoch den Ball ins Aus schießt, wird eines der anderen Kinder wütend und schubst ihn. Lukas verteidigt Tord sofort. Da wird auch Tord wütend: „Und warum darf Lukas nicht auch mitspielen?“. Die anderen Kinder stört, dass Lukas nicht so ist wie sie. Die Kinder beginnen zu streiten, aber Tord und Lukas erkennen, dass Lukas einfach besonders ist. Lukas ist eben wie Lukas und das ist auch gut so! So ziehen sich die beiden selbstbewusst aus dem Streit zurück und lassen die anderen Kinder staunend auf der Wiese stehen.

 

„Lukas ist wie Lukas“ ist  meiner Meinung nach ein rührendes Bilderbuch, welches die besondere Beziehung von Geschwistern, von denen eines mit einem Handicap lebt, beschreibt. Eine solche Situation mag für alle Beteiligten nicht immer einfach sein, doch dieses Buch kann besonders jungen Geschwistern von einem Kind mit Handicap zeigen, wie wichtig es ist zusammenzuhalten und einander so zu akzeptieren, wie man ist. Große, aussagekräftige Bilder von Susanne Szesny unterstreichen die Geschichte, sodass dieses Bilderbuch einen durch und durch positiven Eindruck bei mir hinterlässt.

Wirklich empfehlenswert!

Wie der kleine rosa Elefant einmal sehr traurig war und wie es ihm wieder gut ging

Autorin: Monika Weitze

Rezension: Maike Biermann

 

Die Geschichte handelt von einem kleinen Elefanten namens Benno, der eines Tages seinen allerbesten Freund Freddi verabschieden muss, da dieser mit seiner Herde in eine andere Richtung weiterzieht. Der Abschied macht den kleinen Elefanten unendlich traurig, so dass es ihm schwer fällt zu spielen oder zu essen. Immer wieder muss er weinen, doch von niemandem wird er in seinem Gefühl der Traurigkeit so recht aufgefangen und Ratschläge wie: „Das ist doch nicht so schlimm, das passiert jedem einmal“ machen ihn nur noch trauriger. Er macht sich daraufhin auf den Weg zu der Eule Heureka, die ihm eine Anleitung zum Traurig Sein gibt und ihm signalisiert, dass er mit all seinen Gefühlen so in Ordnung ist. Sie erklärt ihm wie er mit seiner Traurigkeit umgehen kann und gibt ihm vier kluge Tipps: 1. Weine 2. Erzähle über deine Traurigkeit 3. Schaff deinem Freund einen Platz in deinem Herzen 4. Nimm dir viel Zeit. Der kleine Elefant geht nach Hause, setzt die Dinge, die ihm geraten wurden um und kann eines Tages auch wieder lachen. Dieses Buch ist ein wundervoll einfühlsames und weises  Buch über die Beschreibung des Trauerprozesses, bzw. möglicher Trauerphasen.

 

Auf verständliche Art und Weise wird Kindern hier vermittelt worauf es bei der Trauer ankommt, nämlich die Kanalisierung der Traurigkeit in Tränen, um das Gefühl der Trauer zuzulassen, die Kommunikation (sprich mit anderen über deine Traurigkeit), um getröstet zu werden und gib dem Verlorenen einen neuen Platz, um wieder am Leben teilhaben zu können. Diese Schritte machen es dem Elefanten in dieser Geschichte möglich, sich  neu zu orientieren und wieder mit anderen zu spielen.

 

Es ist ein hoffnungsvolles Buch, das dem Leser eine gute Möglichkeit zur Identifikation gibt und einem das Gefühl vermittelt, in seinem Trauerprozess verstanden zu werden. Wundervolle, aussagekräftige Illustrationen von Eric Battut unterstützen den Text. Sowohl für Kinder als auch Erwachsene ist dieses Buch ein hilfreicher Begleiter bei Abschieds- und Trauerprozessen! Ich selber lese es immer wieder gerne und entdecke darin immer wieder etwas Neues für mich. Ich kann es eigentlich nur jedem ans Herz legen, dieses Buch einmal zu lesen. Gerne verwenden wir es auch in der Schulung für unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter, um anhand dessen die Trauerphasen zu verdeutlichen. Ein wirklich ausgezeichnetes Bilderbuch!

 

„Was ist das?“, fragt der Frosch

Autor: Max Velthuijs

Rezension: Katrin Beerwerth

Bilderbuch für die Kleinsten

 

Dieses Bilderbuch eignet sich, kleinen Kindern ein erstes Gespräch über den Tod anzubieten. Helle, großformatige Bilder und  ein Text, der sich auf das Wesentliche beschränkt, bringen die Geschichte auf den Punkt.

 

Schwein und Frosch finden eine Amsel. Sie sind sich unsicher, was mit ihr los ist. Der Hase erkennt die Situation und gemeinsam mit der Ente beerdigen sie die Amsel an einem schönen Platz.

 

Die Gefühle der Tiere wie Unsicherheit, Ratlosigkeit, Betroffenheit, Traurigkeit, aber auch Lebensfreude spiegeln sich in den Gesichtern der Tiere und bieten Kindern die Möglichkeit eigene Gefühle zu benennen. Und vor allen Dingen spiegelt die Geschichte wieder, dass Kinder anders trauern als wir Erwachsenen. Sie sind in der Lage, in einem Moment zutiefst traurig zu sein um dann in dem nächsten Moment sich wieder dem Leben zuzuwenden. So spielen die vier Freunde nach der Beerdigung und einem Moment des Innehaltens zusammen Fangen, sind ausgelassen und lachen.

Was ist los mit Ben?

Autor: Bundesverband Kinderhospiz e.V.

Rezension: Ann-Christin Konderla

 

für Kinder und Erwachsene

 

„Was ist los mit Ben?“ beschreibt die Situation einer betroffenen Familie, aus der Sicht des gesunden Geschwisterkindes. Es lädt dazu ein beim Lesen mit dem Kind ins Gespräch zu kommen und bietet eine gute Grundlage, damit das Kind weitere Fragen stellen kann.

 

Das Buch erzählt die Geschichte eines 7 jährigen Mädchens Lotte, dessen 5 jähriger Bruder Ben krank geworden ist. Es wird aus Lottes Sicht beschrieben, welche Veränderungen innerhalb der Familie stattfinden. Durch die Erkrankung von Ben hat sich vieles verändert. Sie berichtet davon, dass ihr Bruder nun zu müde ist um mit ihr zu spielen, ihre Mutter oft mit Ben ins Krankenhaus fährt und auch lange dort bleiben muss. Lotte ist nun mit Papa alleine zu Hause und findet es ohne Ben langweilig. Sie ist nun nach der Schule oft bei ihren Großeltern, dabei möchte Lotte auch lieber bei Ben und Mama sein. Die Mama erklärt Lotte, dass Ben krank ist. Auch wenn er wieder nach Hause kommt, wird er noch krank sein. Für Lotte ist dies nur schwer zu begreifen. “Ich verstehe das nicht!“. Es wird deutlich, wie schwierig es auch für Geschwisterkinder sein kann, die Situation zu verstehen. Das Buch zeigt auch, wie wichtig es für die Kinder ist, dass ihre Fragen beantwortet werden.

 

Als Ben aus dem Krankenhaus kommt, hat er zu Hause ein neues Bett. Abends ist die Mutter oft müde, wenn sie Lotte eine Geschichte vorliest und schläft oft selbst dabei ein. Es wird sehr anschaulich beschrieben, welche Veränderungen dies auch für Lotte hat. Sie muss oft auf ihre Eltern verzichten und merkt, dass ihre Mutter kaum noch Zeit für sie hat. Plötzlich verändert sich der ganze Alltag der Familie und die Erwachsenen führen ernste Gespräche, die Lotte nicht mitbekommen soll. Das Buch beschreibt schön, welch feines Gespür Kinder dafür haben, wenn Erwachsene sich anders verhalten.

 

In dem Buch werden auch die unterschiedlichen Institutionen genannt, die nun mit der Familie zusammenarbeiten. Von der Kinderärztin, die regelmäßig die Familie besucht, um nach Ben zu schauen, bis hin zur Mitarbeiterin vom Kinderhospizdienst, die gemeinsam mit Lotte Zeit verbringt. Dann darf Lotte immer überlegen, was ihr besonders viel Spaß macht.

 

Ich empfinde das Buch als eine gute Grundlage, um mit dem Kind ins Gespräch zu kommen. Es zeigt viele Situationen auf, die betroffenen Familien wahrscheinlich allzu bekannt vorkommen werden. Das gemeinsame Lesen des Buches kann bei den Kindern einige Fragen aufwerfen, die gemeinsam besprochen werden können. Auf diese Weise kann man sich langsam den Thema annähern und dem Kind die Situation genau erklären, ohne es zu überfordern.

Ein Dino zeigt Gefühle

Autoren: Heike Löffel und Christa Manske

Rezension: Königskinder

 

Dinos sind immer groß, stark und gefährlich, denkt man, aber sie können auch ganz schön traurig oder ängstlich sein.

Wie sich Trauer und Angst, aber auch Gefühle wie Nachdenklichkeit, Unentschlossenheit oder Geborgenheit anfühlen wird in diesem Buch sehr anschaulich dargestellt. Dabei wird jedem Gefühl eine Doppel-Seite gewidmet, der Text wird durch jeweils ein ausdrucksstarkes Bild unterstützt und es bleibt viel Freiraum für individuelle Geschichten.

„Ein Dino zeigt Gefühle“ ist als Begleitung für Gespräche mit Kindern über ihre Gefühle gedacht, um ihnen zu helfen ihre Gefühle auszudrücken, sich dadurch besser wahrzunehmen und das Selbstbewusstsein zu stärken.

Zusätzlich gibt es einen Ratgeber, der Sie beim Einsatz des Buches begleitet.

Wie ist das mit der Trauer?

Autor: Roland Kachler
Rezension: Maike Biermann

 

In diesem Buch dreht sich alles um das Thema Abschied, vom kleinen, einfachen bis hin zum schlimmen Abschied. Das Buch ist aufgeteilt in einzelne in sich abgeschlossene Erzählungen in kindgerechter Sprache, die sich mit unterschiedlichen Lebens-/Trauersituationen von Kindern und Familien beschäftigen. So werden beispielsweise die Geschichten von Lena und Tim erzählt, deren Großeltern verstorben sind oder von Benni und Sofie, die mit dem plötzlichen Tod ihres Vaters zurechtkommen müssen bis hin zu Maxi, die um ihren verstorbenen Bruder trauert und sich schuldig daran fühlt. In diesen Erzählungen wird kein Gedanke tabuisiert und alles an- bzw. ausgesprochen, was Kinder in diesen Situationen bewegt.

 

Die  unterschiedlichen Gefühle in den verschiedenen Phasen der Trauer wie beispielweise Schock und Nichtwahrhabenwollen bis hin zu einer gelingenden Trauerbewältigung werden hier verständlich zur Sprache gebracht. Oft fühlen sich Kinder, die mit dem Abschied konfrontiert sind sprachlos und können ihre Gefühle nicht in Worte fassen. Diese Erzählungen holen die Kinder behutsam in ihren Gefühlen dort ab, wo sie gerade stehen, und verhelfen dazu, ihre eigenen Trauerreaktionen besser zu verstehen und einzuordnen. Kindern gelingt es schnell, sich mit den Akteuren dieses Buches zu identifizieren.
In die Geschichten sind immer kleine Infoblöcke und Texte eingeschoben, in denen Themen aus den Erzählungen, wie beispielweise der Ablauf einer Beerdigung, einzelne Trauerphasen, Friedhof etc. nochmal gesondert aufgegriffen und erläutert werden.

 

Diese können auch von den Erwachsenen als hilfreiche Anregungen zum Gespräch mit dem Kind genutzt werden. Darüber hinaus sind in dem Buch viele tragende hoffnungsvolle Bilder zum Thema Sterben und Tod aus dem christlichen Glauben zu finden, die den Kindern und Erwachsenen angeboten werden. Dadurch bleibt dieses Buch nicht rein informativ, sondern beinhaltet viele tröstende Momente. Die kurzen Erzählungen können voneinander unabhängig je nach Trauersituation des Kindes eingesetzt werden.

 

Ich empfinde dies Buch als ein besonderes Buch, da es gelungen ist, durch unterschiedlichste Erzählungen Kinder in ihren doch so vielfältigen Gefühlen und Reaktionen in der Trauer zu erreichen und dem Gefühlten, wie Traurigkeit, Wut, Angst, Ohnmacht, Schuld, Schock, Unsicherheit, Verzweiflung etc. Worte zugeben. Trotz der vielen Informationen spendet es Trost und Hoffnung und ist dadurch ein wertvoller Begleiter in vielfältigen Trauersituationen im Erleben eines Kindes.

Die besten Beerdigungen der Welt

Autor: Ulf Nielsson, Eva Eriksson

Rezension: Anke Konermann

 

An einem langweiligen Tag findet Esther eine tote Hummel und beschließt, diese zu beerdigen. Ihr Freund (hier als Bucherzähler in der „Ich-Form“ beschrieben) wird von der dominanten Esther in die Zeremonie mit einbezogen, obwohl ihm das zunächst Unbehagen bereitet. Er bietet an, Gedichte  zu schreiben, da ja eine Totenrede gehalten werden muss.

 

Nachdem die Hummel würdevoll auf einer einsamen Lichtung begraben wurde, beschließt Esther, da die Welt voller Tote ist, sich darum zu kümmern. Sie machen sich auf die Suche nach toten Tieren und Esthers kleiner Bruder  beteiligt sich an der Suche, obwohl er den Begriff „Tod“ noch nicht versteht. Esther versucht ihm klarzumachen, dass jeder mal sterben muss, meist aber erst wenn man ganz alt ist.Der kleine Bruder Putte wird ganz traurig und weint. Da Putte so gut weinen kann, ist er ab sofort bei den Beerdigungen für das Weinen und das Bemalen von schönen Steinen zuständig.Sie gründen eine Firma mit dem Namen „Beerdigungen AG“, befüllen einen alten Koffer, indem alles zu finden ist, was man für Beerdigungen so braucht und wollen die besten Beerdigungen der Welt ausrichten. Esther ruft alle Nachbarn an und es findet sich tatsächlich gegen Bezahlung ein toter Hamster mitsamt seiner trauernden Besitzerin. Ihm ermöglichen sie eine wunderschöne Beerdigung. Als sich in der Nachbarschaft nichts mehr an Verstorbenen finden lässt, liegen im Kühlschrank immerhin noch drei tote Heringe…

 

Nach unzähligen Bestattungen beschließen die Kinder, am nächsten Tag etwas anderes zu spielen.

 

Das Thema Tod wird in diesem Buch in einer  lebensnahen Erzählung liebevoll und behutsam von verschiedenen menschlichen Charakteren beleuchtet. Neben der wunderbaren  Illustration, die hell und freundlich die Situationen darstellt, ist  der Text von Traurigkeit und Witz geprägt..

 

Ein absolut empfehlenswertes, wunderschönes Kinderbuch ohne  jede falsche Sentimentalität.

Als Otto das Herz zum ersten Mal brach

Autor: Axel Schulß

Rezension: Oda Findorff-Otto

 

Annie wird niemals wiederkommen! Mit dieser plötzlichen Nachricht nach einem tödlichen häuslichen Unfall des kleinen Mädchens wird Otto an einem Morgen konfrontiert. Aber Annie ist nicht irgendeine Klassenkameradin – sie ist mit Otto auf eine besonders liebevolle Weise verbunden. Sie sind gemeinsam sogar mit Ringen verbunden, die sie sich von ihrem Taschengeld mühevoll aus einem Kaugummiautomaten gezogen haben. Eigentlich hatten sie im Kinderzimmer sogar richtig geheiratet.

 

Nun ist Annie nicht mehr da. Und Ottos verwundete kleine Kinderseele erinnert an die eines Witwers, der um seine geliebte Frau trauert. Er besucht alle Plätze, an denen sie gemeinsam waren. Er spürt die Einsamkeit. Vieles kann er nur alleine bewältigen, aber in seinem einfühlsamen Elternhaus und in der Schule erfährt er Trost und gute Begleitung.

 

Es ist ein zartes und anrührendes Buch darüber, wie ein kleiner Junge lernt, mit dem Tod umzugehen. Es wird den kleinen Leserinnen und Lesern helfen zu verstehen, wie sich ein Angehöriger fühlt, wenn der Partner plötzlich verstirbt. Daniela Bunge hat die zu Herzen gehende Geschichte in warmen Farben detailreich illustriert, so dass auch jedes Bild für sich zum Innehalten und Nachdenken einlädt.

 

Dieses Buch sollte in keiner Grundschulbibliothek fehlen.

Der Bär und die Wildkatze

Autor/ Illustrationen: Kazumi Yomoto, Komako Sakai

Rezension: Nina Sautmann

Bilderbuch für Kinder ab 6 Jahren

 

Der Bär ist traurig, denn sein bester Freund, der kleine Vogel ist gestorben. Liebevoll bastelt er eine kleine Schachtel für den kleinen Vogel, die er fortan immer bei sich trägt. Die Tiere im Wald machen sich Sorgen um den Bären und raten ihm, er solle doch den kleinen Vogel vergessen. Aber das ist leichter gesagt, als getan. Der Bär fühlt sich nicht verstanden und schließt sich ein. Lange Zeit verlässt er sein Haus nicht mehr, doch eines Tages öffnet er das Fenster und entschließt sich, sich auf den Weg zu machen, wo er nach einer Weile auf die Wildkatze trifft. Auch sie hat eine Schachtel dabei und die beiden kommen ins Gespräch. So zeigt der Bär der Wildkatze die kleine Schachtel, in der der kleine Vogel nach wie vor ganz friedlich liegt und realisiert, dass er zum ersten Mal seit langer Zeit auf jemanden getroffen ist, der ihn zu verstehen scheint. Er erinnert sich an all die schönen Momente, die er gemeinsam mit dem kleinen Vogel erleben durfte und kann ihn schließlich an einer Lichtung im Wald, an der sich die beiden immer gesonnt hatten, beerdigen. Die Wildkatze nimmt ihn mit auf eine Reise in die große weite Welt.

 

Die Geschichte vom Bären und der Wildkatze erzählt auf anrührende Weise von dem Verlust eines guten Freundes, der Trauer und dem langen Weg der Bewältigung. Nicht immer verstehen andere uns, wenn wir trauern. Wir sollen möglichst schnell vergessen, doch das ist nicht der Sinn der Trauer. Vielmehr geht es darum, einen Weg zu finden, die lieben Verstorbenen in unser Herz zu schließen und sie in unserer Erinnerung und in unserem Herzen zu behalten, wozu die Wildkatze dem Bären auf einfühlsame Weise verhilft. Sie wird zum neuen Freund des Bären, der ihn versteht. Zwar ist sie kein Ersatz für den kleinen Vogel, doch der Bär findet einen Weg, wie er mit seiner großen Trauer um ihn weiterleben kann.

 

Schwarz-weiße Illustrationen unterstreichen die unendliche Trauer des Bären und kleine Farbakzente verdeutlichen die der Geschichte innewohnenden Hoffnung. Bilder und auch Geschichte sind für ein Bilderbuch recht anspruchsvoll, daher eignet sich dieses Buch insbesondere für Kinder ab 6 Jahren, einerseits um selbst neue Hoffnung in der Trauer zu schöpfen, andererseits auch um über Themen wie Sterben Tod und Trauer, sowie die eigenen Gedanken und Gefühle dazu zu sprechen.

 

Ein Buch voller Hoffnung und Trost, das sehr zu empfehlen ist!

Die Hälfte des Himmels gehört Bo

Autorin: Dagmar H. Mueller

Rezension: Oda Findorff- Otto

 

Geschichten, in denen wir mit dem Sterben und dem Tod konfrontiert werden, sind zumeist traurig. Dieses Kinderbuch jedoch ist offen und authentisch und an verschiedenen Stellen sogar sehr lustig. Geschrieben ist es aus der Perspektive der elfjährigen Martha, die sich als drittälteste Schwester in der Geschwisterfolge ein gemeinsames Kinderzimmer mit ihren sechsjährigen Bruder Boris, genannt Bo, teilt.

 

Zank und Streit sind da ebenso an der Tagesordnung wie Kuscheln, kleine Geheimnisse und gemeinsame Streiche. Wie in jeder Familie mit mehreren Kindern. Zunehmend belastend empfindet Martha nur die Tatsache, dass die Eltern ihrem Jüngsten unverhältnismäßig viel durchgehen lassen. Bo kann anstellen, was er will, die Reaktion der ansonsten sehr konsequenten Eltern ist Sanftmut und Nachgiebigkeit. Die Erklärung für dieses widersprüchliche Verhalten lässt sich irgendwann nicht mehr zurückhalten.

 

Die Eltern müssen ihren Töchtern die Wahrheit über Bo sagen, eine Wahrheit, die sie selbst und Bo schon lange kennen: Bo, der noch nie so schnell laufen konnte wie seine gleichaltrigen Freunde und der auch ein paar Mal bewusstlos zusammenbricht, ist so krank, dass er sterben wird. Mit einem Mal versinkt die heile Kinderwelt in einer dunkelgrauen Wolke.

 

Nur Bo mit seinem unbekümmerten, sonnigen Gemüt, Bo mit seinem unbeugsamen Willen, Bo, der Besserwisser und Rechthaber, Bo, der „große Nichtübelnehmer“, dieser Bo klagt nicht. Denn die Hälfte des Himmels gehört längst ihm. Den Himmel hat er nämlich Herrn Körner, dem Piloten, abgekauft. Für drei Zitronenbonbons und zwei große Himbeerlutscher. Seine Eltern haben ihm damit geholfen einen Himmel entwerfen, auf den er sich freuen kann. Das zeugt von großer Kraft, von Stärke und von Liebe, und damit endet die anrührende Geschichte auch: mit dem Glück, Bo erlebt und geliebt zu haben, wenn auch nur für kurze Zeit.

 

Das Buch ist sehr einfühlsam geschrieben, Erwachsene werden im letzten Drittel Mühe haben, die Tränen zurückzuhalten. Die Lektüre ist in jedem Fall eine Bereicherung und eignet sich zum Selber lesen für Kinder ab 10 Jahre, zum Vorlesen für Kinder ab 6 Jahre.

Jolante sucht Crisula - Die Geschichte einer unendlichen Freundschaft

Autor: Sebastian Loth

Rezension: Nina Sautmann

 

Jolante und Crisula sind allerbeste Freundinnen. Doch eines Tages ist Schildkröte Crisula, die schon 127 Jahre alt ist, plötzlich verschwunden. Jolante versteht die Welt nicht mehr und begibt sich auf die Suche nach ihr. Sie erfährt schließlich, dass Crisula verstorben ist, findet sie aber doch wieder: Ganz tief in ihrem Herzen.

Das Buch „Jolante sucht Crisula“ veranschaulicht auf einfühlsame Weise, wie es ist, einen nahestehenden Menschen zu verlieren. Abschied – das bedeute auch, sich auf die Suche zu begeben, einen Weg zu finden, mit dem schweren Verlust umzugehen. So braucht auch Jolante eine Weile, um zu verstehen, was eigentlich passiert ist. Sie ist mal wütend und mal traurig. Doch am Ende träumt sie von Crisula und stellt fest: Sie hat ihre beste Freundin gar nicht verloren! Crisula ist nach wie vor in ihrer Erinnerung und tief in ihrem Herzen. Ihre Freundschaft wird trotz des Todes nicht enden.

 

Untermalt wird die rührende Geschichte von bunten und freundlichen Bildern, die insbesondere Jolantes lange Suche in den Fokus setzen und damit veranschaulichen, dass Abschied immer eine gewisse Zeit braucht. Dieses Buch kann vor allem Kindern, die den Verlust eines nahestehenden Menschen verarbeiten müssen, dazu verhelfen, ihre Trauer zu verstehen und wieder neue Hoffnung zu schöpfen, dass auch sie einen Weg finden werden, mit dem schweren Verlust umzugehen.

 

Ein rundum gelungenes Bilderbuch!