Bücher über Jugendliche und junge Erwachsene

Gegen die Angst

Autor: Regine Stokke

Rezension: Katrin Beerwerth

für Jugendliche

 

Die Autorin Regine erfährt mit 17 Jahren, dass sie eine schwere Form einer Leukämie hat. Schon schnell erklären ihr die Ärzte, dass sie unheilbar erkrankt ist, aber Regine ist eine Kämpferin und sie gibt nicht auf. In ihrer Auseinandersetzung mit der Krankheit fängt sie an zu bloggen (ein Blog ist ein öffentliches Tagebuch im Internet). Ihr Blog  wird über einen langen Zeitraum der zweithäufigst besuchte Blog in ihrer Heimat Norwegen. Und nicht nur Jugendliche, nein Menschen jeder Altersschicht nehmen Anteil und schreiben Regine. In dem Buch werden ihre Nachrichten und auch ausgewählte Kommentare dargestellt.

 

Regine denkt sehr sensibel und weitsichtig über ihr Leben nach. Sie probiert trotz aller Rückschläge, die sie zunehmend erleidet, das Leben zu genießen. Ihr liebstes Hobby ist mir ihrer besten Freundin Eli Ann Festivals zu besuchen, ihr Herz schlägt für Heavy Metal. Aber auch die Kunst bedeutet ihr sehr viel und so streift sie durch die Natur und fotografiert. Ihre Fotos finden weiten Anklang und werden sogar ausgestellt. Auch beim Malen kann sie abschalten und Energie tanken. Ihre Fotos und Bilder sind sehr beeindruckend und runden das Buch ab.

 

Regine lässt uns Anteilnehmen in ihrer Auseinandersetzung und ihr Ringen mit Leben und Tod. Ihr enges Familienband, ihre Freundschaften und auch die vielen aufmunternden und teilnehmenden Kommentare aus ihrer Bloggergemeinde können sie immer wieder auffangen.

 

Leider verschlimmert sich ihr Gesundheitszustand zunehmend, so dass Regine und ihre Familie 2009 das Weihnachtsfest vier Wochen vorverlegen. Am 03.12. verstirbt Regine zu Hause im Beisein ihrer Familie und ihrer Katze. Das Buch schließt mit „letzten“ Grüßen der Familie und der engsten FreundInnen ab. 9000 Leser senden Regine einen letzten Gruß.

 

Regine bewegte durch ihren Blog die Menschen und brachte sie dazu, über das Leben nachzudenken und sich für kranke Menschen zu engagieren (bspw. nahm die Blut- und Knochenmarkspende  Dank Regines Aufrufen zu).

 

Mich persönlich hat ihr Buch sehr berührt und nachdenklich gestimmt. Regine ist eine junge Frau gewesen, vor der ich den Hut ziehe und die noch heute  diese Welt bereichert. Danke, Regine!

Klaras Kiste

Autorin: Rachel van Kooij

Rezension: Königskinder

Altersempfehlung: 10-12 Jahre

 

Klara Meinert, Klassenlehrerin einer vierten Klasse , kommt nach wochenlanger Krankheit zurück in die Schule und teilt den Schülern und Schülerinnen ihrer Klasse mit , dass sie nicht mehr lange zu leben habe.

 

Die Kinder sind geschockt.Sie können es nicht glauben und reagieren mit unterschiedlichen Gefühlen wie Wut, Traurigkeit, Angst und Fassungslosigkeit. Frau Meinert schlägt vor –  auch wenn sie nicht mehr unterrichten kann – noch Zeit mit ihrer Klasse zu verbringen, indem sie sich im hinteren Teil des Klassenzimmers ein kleines Urlaubsparadies einrichtet.

 

Mit Hilfe der Kinder entsteht dort ein Urlaubsort mit Liegestuhl, Sonnenschirm und vielen bunten Liebenswürdigkeiten, welche die Kinder mitbringen. Regelmäßig sitzen die Kinder nun auf Strandtüchern um den Liegestuhl versammelt und lauschen einer Geschichte, die Frau Meienrt bisher allen Kindern erzählt hat.

 

Noch vor den großen Sommerferien verabschiedet sich Frau Meinert von ihrer Klasse, da sie zunehmend schwächer wird, und die restliche Zeit , die ihr noch bleibt zuhause verbringen möchte.

 

Die Kinder der Klasse können nicht begreifen, dass sie Frau Meinert für immer verlieren werden und hoffenauf ein Wunder. In der Erkenntnis, dass dieses nicht eintreten wird, überlegen sie fieberhaft , welches Geschenk sie ihrer Lehrerin noch machen können. Das bereits gekaufte Buch mit den „schönsten Urlauubszielen“ finden sie unpassend. Nach langen Überlegungen kommt Julius, einer der Protagonisten des Romans, auf die Idee, einen Sarg für Klara Meinert zu bauen, auf dem sich alle Schüler und Schülerinnen der Klasse verewigen können. Mit Hilfe seines wortkargen und griesgrämigen Opas kann die Klasse die Idee umsetzen.

 

Der Roman endet damit, dass die Kinder den Sarg mit Hilfe einer Sackkarre zu Frau Meinert transportieren und ihrem Mann überreichen. Frau Meinert selbst kann das Bett nicht mehr verlassen, sie liegt im Sterben.

 

Sie kann die Kinder aber noch hören. Ihr Mann berichtet ihr , dass die Kinder ihrer Klasse ein ganz besonderes Geschenk vorbeigebracht haben, dass sie auf ihrer Reise begleiten wird.

 

Ein wunderbares Kinderbuch, dass sich dem Thema Sterben mit facettenreichen Gefühlen widmet und dabei auch humorvoll ist. Auch wenn der Tod einen wesentlichen Teil des Buches einnimmt, werden auch andere Lebenswelten von Kindern nicht ausgeblendet. Freundschaft, Streit, Familie, Trennung der Eltern …

 

Besonders gut hat mir gefallen, dass die Autorin sich das Sterben einer Lehrerein und nicht eines Elternteiles  zum Thema gewählt hat.Somit gerät nicht ein einziges Kind in den Fokus , die ganze Schulklasse ist gleichermaßen betroffen. Dadurch werden die Gefühle und Reaktionen kindlicher Trauer besonders deutlich.

Wie lange dauert Traurigsein?

Autorin: Maria Farm

Rezension: Maike Biermann

 

Wie lange dauert Traurigsein? Ein Buch für alle, die jemanden verloren haben-dieses Buch wurde von der Psychologin Maria Farm geschrieben und ist 2014 im Oetinger Verlag erschienen.

 

Die Autorin richtet sich mit ihrem Buch in erster Linie an trauernde Jugendliche im Alter von 9-11 Jahren. Sie berichtet dabei immer wieder von ihren Erfahrungen, die sie mit Jugendlichen in ihrer Praxis als Therapeutin gemacht hat und greift Beispiele auf.

 

Das Buch ist in mehreren Teilen aufgebaut und beschreibt im ersten Teil, welche Gefühle in der Trauer um einen verstorben Menschen möglich sind. Gefühle in dieser Zeit sind „gestreift“ und dürfen kommen und gehen. Irgendwann werden die helleren Streifen immer breiter. In einem zweiten Teil geht die Autorin ausführlich darauf ein, was der Tod ist und welche Situationen Jugendliche in Trauer versetzen können. Sei es beispielsweise durch den Tod eines Elternteils, eines Geschwisterkindes, von Freunden oder auch durch Suizid im Umfeld. Sie spricht die Jugendlichen immer gezielt an und versteht es sehr gut, die Sprache der Jugendlichen aufzugreifen. In einem dritten Teil beschreibt sie die 5 Trauerphasen und macht diese an gut nachvollziehbaren und verständlichen Beispielen für Jugendliche sehr greifbar. Immer wieder geht sie dabei auf die Gefühlswelt ein und hilft zu verstehen, was Trauer eigentlich ist. Trauer geschieht in Wellen, manchmal trägt sie nach vorn und im nächsten Moment zieht der Sog wieder ein Stück zurück. In einem weiteren Teil geht die Autorin auf die Zeit ein, in der sich die Situation etwas stabilisiert und die Abstände der tiefen Trauer immer größer werden. Sie zeigt die Hoffnung auf, die es auf dem Weg der Trauer gibt. Die Erinnerung an den verstorbenen Menschen wird immer wehtun aber irgendwann wird es möglich sein schmerzhafte Gedanken schneller weiterziehen zu lassen. Weiterhin gibt sie durchgängig gute und hilfreiche Tipps, was Jugendliche tun können, um sich in so einer schwierigen Situation nicht isoliert zu fühlen, sowie viele praktische Tipps zur Aufarbeitung des Todes eines geliebten Menschen. Die Autorin betont, wie wichtig es ist, sich Erwachsenen anzuvertrauen und nennt darüber hinaus  wichtige Adressen, an die Jugendliche sich wenden können, um schnell Hilfe zu  bekommen.

 

Auch für die Eltern der betroffenen Jugendlichen ist dieses Buch eine sehr gute und hilfreiche Lektüre und kann vielleicht als Grundstein für ein gemeinsames Gespräch mit seinem Kind genutzt werden.

 

Ein rundum gelungenes Buch, das mich aufgrund der sehr treffenden Ansprache der Zielgruppe stark fasziniert hat und einen wichtigen Beitrag in der Arbeit mit trauernden Jugendlichen leistet.

Es sind die Wolken, die die Sterne bewegen

Autor: Torun Lian
Rezension: Anke Konermann

 

Dieses Buch ist eine Geschichte über den Tod, die Trauer, das Leben und die Freundschaft. Eine Geschichte, die einem deutlich macht wie sehr der Tod eines nahestehenden Menschen das ganze Leben einer Familie verändern kann. Maria ist 11 Jahre alt als sie durch eine Krebserkrankung ihren neunjährigen Bruder Pilten verliert. Seit ihr Bruder tot ist, ist nichts mehr so wie es war.

Die ganze Familie hat sich verändert. Ihre Eltern reden kaum noch mit ihr und ihre Mutter fällt in eine tiefe Depression. Maria gibt sich die Schuld am Zustand ihrer Mutter. Sie wird immer schweigsamer und fühlt sich völlig allein auf der Welt. Sie hätte so gerne jemanden zum Reden!

Als sie die Sommerferien bei den Großeltern verbringt, lernt sie Jakob kennen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten, hervorgerufen durch Marias große Verunsicherung, wird er ihr Freund. Ein Freund, der ihr zuhört und sie versteht. Ein Freund, der Maria zeigt, dass das Leben trotz allem noch Spaß machen kann. Ein Freund, der es schafft, die Isolation der Familie aufzubrechen, so dass diese lernen kann mit der Trauer zu leben und einen neuen Anfang zu finden.

Dieses wunderbare Buch ist sehr lebensnah geschrieben und ermöglicht auch Erwachsenen sich in die Gefühlswelt eines Kindes nach einem schweren Verlust hineinzuversetzen. Es werden keine Altersangaben benannt, meiner Meinung nach zum Vorlesen ab 8 Jahren, zum selber lesen ab 10 Jahren.

Dieses Buch hat mich zutiefst berührt. Es ist eine wundervolle Geschichte, die ich nicht vergessen werde. Die Autorin schreibt so fesselnd, intensiv und lebensnah, dass ich mich von der ersten bis zur letzten Seite mit Maria identifizieren und all ihre Gefühle nachempfinden konnte. Ich glaube, jeder der dieses Buch liest, wird sich anschließend bewusst, wie schön es ist und wie dankbar man sein muss, Menschen um sich zu haben, denen man alles anvertrauen kann und mit denen man lachen und weinen kann. 

Für mich wird in diesem Buch ganz besonders deutlich wie wichtig es ist, Menschen und insbesondere Kinder in ihrer Trauer nicht allein zu lassen.

Das Schicksal ist ein mieser Verräter

Autor: John Green

Rezension: Hannah Scheelje

 

Es gibt längere und kürze Unendlichkeiten. In dem Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ erzählt John Green die Geschichte einer kurzen Unendlichkeit.

 

Der Leser taucht ein in die Welt von Hazel Grace Lancester: Die 16jährige Hazel ist an Krebs erkrankt und legt ihre Wege nur in Begleitung ihres Sauerstoffwagens Philipp zurück. Das, was sie am wenigsten will ist Mitleid, sarkastisch spricht sie vom Krebsbonus und die belehrenden Weisheiten über das Leben und den Tod ist sie längst leid. Hazel hat nicht resigniert. Sie macht sich ihre eigenen Gedanken über das Universum, die Rolle der Menschen und ihren Platz darin.

 

Ihre Eltern, unermüdlich auf das Wohlergehen ihrer Tochter bedacht, schicken sie eines Tages in eine Selbsthilfegruppe für an Krebs erkrankte Jugendliche. Hier – im buchstäblichen Herzen Jesus – verbringt Hazel nur sehr widerwillig Zeit mit anderen Betroffenen.

 

Lediglich mit Isaac verbindet sie etwas: Seufzen, Kopfschütteln, das gemeinsame Warten auf das Ende der deprimierenden Gruppenveranstaltung. Doch als eines Tages August Waters im Stuhlkreis der Gruppe erscheint, ändern sich die Dinge.

 

Neben der Dauerlektüre ihres Lieblingsbuches „Ein Herrschaftliches Leiden“ bekommen immer mehr andere Ereignisse Platz in ihrem Leben. Neben „Ein Herrschaftliches Leiden“, wohl bemerkt, denn Hazel und August begeben sich auf die Suche nach dem mysteriösen Ende des Buches, welches mitten im Satz endet. Auf 258 Seiten erlebt der Leser gemeinsam mit Hazel, August und Isaac die Höhen und Tiefen eines etwas anderen Teenagerlebens. Zwischen den Seiten wird viel gelacht, philosophiert, gefühlt, geliebt, Computer gespielt, gelesen – und vor allem: Es wird gelebt. Denn „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist keine Geschichte vom Krebs, Krebsbefunden und Krebstherapien, auch wenn diese eine grundlegende Rolle für alle Beteiligten spielen. Es geht nicht um das ungelebte Leben, um hätte-wäre-wenn-Gespräche sondern das Jetzt und Hier. Es geht um unangezündete Zigaretten, um Basketball, um Amsterdam, das Universum, die Angst vorm Vergessen werden – und eben um längere und kürzere Unendlichkeiten.

 

Der Einblick in das Leben von Hazel und allem, was sie umgibt, lässt den Leser mitfühlen, lachen und weinen. Hazels Art und Weise durch die Welt zu gehen, trotz des unvermeidlichen Endes durch ihre Krankheit, ermutigen und regen zum Nachdenken an, zeigen Möglichkeiten, Chancen, kleine Wunder auf – aber auch Grenzen und Schmerz. Denn „das ist das Problem mit dem Schmerz“, sagt August Waters, „Er will gehört werden.“ Die Geschichte von Hazel und allen Menschen, denen sie begegnet, ist vom Autor erfunden – doch „sich zu fragen, ob eine Geschichte auf Ereignissen in der Wirklichkeit beruht, kommt weder einem Roman noch seinen Lesern zugute. Derartige Versuche untergraben die Idee, dass erfundenen Geschichten Bedeutung haben, eine Idee, die mehr oder weniger die Grundlage unserer Spezies ist“. Dieser Vorbemerkung des Autors John Green in seinem Buch „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ ist nichts mehr hinzuzufügen.

Wie ich zum besten Schlagzeuger der Welt wurde und warum

Autor: Jordan Sonnenblick

Rezension: Anke Konermann

Jugendbuch

 

Zum Autor: Jordan Sonnenblick war viele Jahre Englischlehrer, spielt Schlagzeug und wollte schon immer Schriftsteller werden. Erlebt mit seiner Frau und Kindern in Pennsylvania. Sein Buch schaffte es in Amerika aus dem Stand auf die Bestenliste. Das Buch wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.

 

Geschrieben ist das Buch aus Sicht eines 13 jährigen Jungen namens Steven. Steven, ein normaler pubertierender Teenager, ist leidenschaftlicher Schlagzeugspieler. Er verbringt die meiste Zeit des Tages damit, auf seinem Schlagzeug zu üben oder sich Gedanken über das schönste und intelligenteste Mädchen der ganzen Schule zu machen.

 

Seine Welt steht Kopf als sein kleiner Bruder Jeffrey plötzlich an Krebs erkrankt. Alles fing an dem Morgen an, an dem Jeffrey  vom Stuhl fiel und fürchterlich blutete. Steven quält sich mit Vorwürfen da er nicht richtig aufgepasst hat. Er macht sich die größten Sorgen, dass Jeffrey genäht werden muss oder eine schwere Gehirnerschütterung hat und er aufgrund dessen Hausarrest bekommt. Fast erleichtert ist er, als er hört, dass Jeffrey „nur“ Leukämie hat.

 

Schnell merkt er, dass im Vergleich zur Leukämie eine Gehirnerschütterung doch gar nicht so schlecht gewesen wäre. Zitat: “Ich fand es unglaublich, dass diese Krebsgeschichte an einen einzigen Tag den ganzen Planeten auf den Kopf stellte“. Seine Eltern konzentrieren sich völlig auf Jeffrey und bemerken nicht, dass es Steven immer schlechter geht. Steven fühlt sich allein gelassen. Er bemitleidet sich selbst und flüchtet sich in seine Musik.

 

Da Steven seinem Bruder so gar nicht  helfen kann, fühlt er sich unendlich hilflos. Eine Lehrerin rät ihm – anstatt sich mit Dingen zu quälen die er nicht ändern kann – sich mit Dingen zu befassen DIE er ändern kann. Da merkt Steven, dass sein Bruder ihn braucht und wie wichtig es ist, für Jeffrey da zu sein.

 

Ein außergewöhnliches Buch das man kaum aus der Hand legen kann. Es liest sich wie das Tagebuch eines 13-jährigen Teenagers. Das Buch ist mit unglaublich viel Humor geschrieben. Gleichzeitig gelingt es dem Autor auf sensibler Weise Einblicke in die Gefühlswelt eines Geschwisterkindes zu ermöglichen. Ein sehr gelungenes Jugendbuch – zum Lachen und zum Weinen.